SPD schlägt Verkehrsversuch mit Radspur auf der Berliner Straße vor

Auf der Fahrbahn der Berliner Straße liegt eine grüne Fläche mit Fahrradsymbol, abgegrenzt durch Pylonen; daneben stehen Menschen in Warnwesten mit Fahrrädern und Werbefahnen vor einer Häuserzeile mit Geschäften.
Wie ein Radstreifen auf der Berliner Straße in Tegel aussehen könnte, haben Bündnis 90 / Die Grünen bei einer Fahrrad-Demo im Mai 2020 bereits einmal demonstriert. Bild: © DZ

Wie soll die Berliner Straße nach der Wiedereröffnung der U6 genutzt werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Bürgerveranstaltung im Bürgerbüro des SPD-Abgeordneten Sven Meyer. Diskutiert wurde insbesondere der Vorschlag, die heutige Busspur zwischen Alt-Tegel und dem Kurt-Schumacher-Platz künftig zunächst probeweise als geschützten Radfahrstreifen zu nutzen.

Gemeinsam mit Harald Berninghaus vom ADFC Berlin, dem EDEKA-Inhaber Mohammed Safa, dem SPD-Direktkandidaten Samuel Märkt, Michael Fugel von infraVelo und dem Mobilitätsexperten Horst Mentz diskutierten Bürgerinnen und Bürger über die künftige Nutzung der Berliner Straße. Hintergrund ist die geplante Wiederaufnahme des regulären U6-Betriebs. Damit wird die heute für den Schienenersatzverkehr benötigte Busspur nicht mehr in ihrer bisherigen Form benötigt. In der Diskussion ging es deshalb um die Frage, ob diese Fläche künftig als geschützter Radfahrstreifen genutzt werden kann, und welche Auswirkungen dies auf Autoverkehr, Gewerbe, Lieferverkehr sowie Fußgängerinnen und Fußgänger hätte.

Ergebnisoffener Verkehrsversuch soll objektive Bewertung ermöglichen

Aus der Veranstaltung heraus soll nun eine konkrete Initiative in die BVV Reinickendorf eingebracht werden: Vorgeschlagen wird ein zwölfmonatiger, ausdrücklich ergebnisoffener Verkehrsversuch zwischen Alt-Tegel und dem Kurt-Schumacher-Platz. Die vorhandene Busspur soll dabei möglichst ohne größere bauliche Veränderungen als geschützter Radfahrstreifen genutzt werden. Gleichzeitig sollen Verbesserungen für den Lieferverkehr, insbesondere in Alt-Tegel, berücksichtigt werden.

Während des Versuchs sollen die Auswirkungen auf Kfz-, Rad- und Lieferverkehr, Stellplätze und Verkehrssicherheit untersucht werden. Erst auf Grundlage dieser Ergebnisse soll über eine dauerhafte Lösung entschieden werden.

Samuel Märkt, der bei der Abgeordnetenhauswahl am 20. September als SPD-Direktkandidat kandidierte, erklärt: „Bei den Überlegungen geht es nicht um die Frage Auto vs. Fahrrad, sondern darum, ein funktionales und sicheres Nebeneinander unterschiedlicher Verkehrsformen zu ermöglichen. Für die lokale Wirtschaft ist das die Chance, die Warenanlieferung deutlich zu vereinfachen. Mit einer Fahrradspur können wir auch die E-Scooter von den Fußwegen holen und die Gefahren für Fußgängerinnen und Fußgänger reduzieren. Deshalb kann ich das Projekt nur begrüßen.“

Mobilitätsexperte Horst Mentz betont: „Eine klare und sichere Trennung von Rad- und Kfz-Verkehr kann gerade auf einer stark belasteten Straße für alle Beteiligten Vorteile bringen. Entscheidend ist, dass der Versuch professionell begleitet, die Auswirkungen auf alle Verkehrsarten objektiv gemessen und anschließend ergebnisoffen bewertet werden.“

„Wir wollen nicht theoretisch darüber streiten, wem die Berliner Straße gehört. Wir wollen ausprobieren, messen und anschließend anhand der tatsächlichen Erfahrungen entscheiden. Die heutige Busspur bietet dafür nach der U6-Eröffnung eine einmalige Chance“, erklärt Sven Meyer, SPD-Abgeordneter für Tegel, Borsigwalde und Wittenau.

Fahrradparken über die Jelbi-App

Ein zweiter Vorschlag aus der Veranstaltung betrifft den Umstieg vom Fahrrad auf den ÖPNV: Die SPD will sich dafür einsetzen, die ParkYourBike-App von infraVelo in die Jelbi-Plattform der BVG zu integrieren. Damit soll der Zugang zu sicheren Fahrradabstellanlagen vereinfacht und deren Nutzung verbessert werden. Beide Vorschläge sollen als Anträge in die BVV Reinickendorf eingebracht werden.

Sven Meyer
Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin (SPD)

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