
Fatima ist 10 Jahre alt. Sie ist in Berlin geboren. Zu uns gekommen ist sie über den Kontakt mit ihrer Grundschule. Fatima war zu Beginn des Mentorings oft unsicher und hatte unter anderem Schwierigkeiten, sich im Schulalltag und mit Bus und Bahn zurechtzufinden. Gemeinsam mit ihrer Mentorin Sarina konnte sie Schritt für Schritt mehr Selbstvertrauen und Selbstständigkeit entwickeln. Heute traut sie sich deutlich mehr zu und hat neue Freundschaften geschlossen.
Solche Erfahrungen möchten wir auch weiteren Kindern ermöglichen. Deshalb suchen wir für unseren nächsten Mentoringdurchgang ab Mitte November neue ehrenamtliche Mentor:innen in Reinickendorf und Lichtenberg.
Acht Monate, einmal pro Woche
kein Abseits! e.V. ist ein Berliner Verein, der seit 2011 freizeitpädagogische Projekte zur Förderung von aktiver Teilhabe, mehr Bildungsgerechtigkeit und einem bereichernden Miteinander in Berlin realisiert. Die Vision des Vereins ist eine chancengerechte Gesellschaft, in der jede:r, unabhängig von der eigenen (sozialen) Herkunft, einen erfolgreichen und glücklichen Bildungs- und Lebensweg im Rahmen einer nachhaltigen Entwicklung beschreiten kann.
Neben dem Jugendengagement und dem Sport- und Erlebnisbereich bildet das Mentoringprogramm den dritten Schwerpunkt des Vereins. Mit dem Mentoringprogramm werden Kinder zwischen acht und 13 Jahren aus Reinickendorf und Lichtenberg erreicht, die besonders empfänglich für Freizeitangebote sind, da sie außer ihrem unmittelbaren Umfeld nur wenige Orte und Aktivitäten kennen. Die Ursachen hierfür sind vielfältig: die Berufstätigkeit beider Eltern, Ein-Eltern-Familien, finanzielle Gründe, Eltern mit geringen Orts- und/oder Sprachkenntnissen, z. T. bedingt durch eine kürzlich zurückliegende Fluchterfahrung.
Über einen Zeitraum von acht Monaten begleitet der/die Mentor:in einen Mentee. Treffen finden einmal wöchentlich für ca. drei Stunden zu spielerischen, sportlichen oder kulturellen Freizeitaktivitäten und Stadt- und Naturerkundungen in Berlin statt. Ziel dabei ist, den Mentee darin zu unterstützen, alterstypische Erfahrungen zu machen, Aktivitäten auszuprobieren und neue Interessen und Kompetenzen zu entwickeln. Dabei wird das Mentee die eigene Stadt besser kennenlernen, Selbstvertrauen entwickeln und eigenständiger werden.
Die Mentorin erzählt
Im Erfahrungsbericht schildert die Mentorin ihre gemeinsame Mentoringzeit mit ihrem Mentee Fatima bei kein Abseits! e.V.:
Als ich mein Mentee kennenlernte, war sie ein schüchternes Mädchen und in vielen Alltagssituationen unsicher. Sie hatte Schwierigkeiten, sich in der Schule einzufinden, und hatte wenig soziale Kontakte.
Eine weitere große Herausforderung war ihre Angst vor der Straße und vor öffentlichen Verkehrsmitteln. Beim ersten Treffen traute sie sich zunächst nicht, allein auf der Straße zu laufen, da sie zuvor gehört hatte, wie gefährlich die Straße sein könne. Sie wollte immer meine Hand halten, um sich sicherer zu fühlen.
Ich selbst war als Kind ebenfalls sehr schüchtern und konnte deshalb ihre Gefühle und Ängste gut nachvollziehen.
Auch auf dem Weg zum Bahnhof war sie anfangs sehr aufgeregt. In den ersten Wochen liefen wir deshalb immer Hand in Hand zum Bahnhof. Besonders der Fahrstuhl zur S-Bahn machte ihr Angst.
Wir stellten uns ihren Ängsten gemeinsam und in kleinen Schritten. Schon nach der ersten gemeinsamen Fahrt merkte sie, dass der Fahrstuhl nicht so gruselig war, wie sie ihn sich vorgestellt hatte. Sehr schnell wurde das Fahrstuhlfahren sogar zu einer ihrer Lieblingsaktivitäten. Sie wollte bald kaum noch die Treppen benutzen.
Auch das Fahren mit Bus und Bahn übten wir regelmäßig. Wir schauten gemeinsam auf die Fahrpläne und Abfahrtszeiten. Ich ließ sie ausrechnen, wie viele Minuten wir noch auf den nächsten Bus oder die nächste Bahn warten mussten. Dadurch verbanden wir eine Alltagssituation mit kleinen Rechenaufgaben und übten gleichzeitig Mathematik.
Im Laufe der acht Monate konnte ich eine deutliche Veränderung beobachten. Mein Mentee wurde selbstbewusster, ruhiger und selbstständiger. Sie traute sich zunehmend mehr zu und konnte sich besser auf neue Situationen einlassen.
Auch im sozialen Bereich veränderte sie sich. Sie fand neue Freundschaften, war weniger allein und freute sich zunehmend auf die Schule und ihre neuen Mitschülerinnen und Mitschüler.
Für mich persönlich war die Tandemzeit ebenfalls sehr wertvoll. Ich habe gelernt, wie wichtig Geduld, Vertrauen und kleine Schritte sind. Besonders schön war es für mich zu sehen, wie aus einem anfangs sehr unsicheren Mädchen ein selbstbewussteres Kind wurde, das sich zunehmend mehr zutraut und Freude an neuen Erfahrungen entwickelt hat.
Nächster Durchgang ab Mitte November
Das Mentoringprogramm von kein Abseits! läuft in den Berliner Bezirken Reinickendorf und Lichtenberg und startet zweimal im Jahr einen neuen Durchgang. Engagierte Mentor:innen werden fortlaufend gesucht. Der nächste Durchgang startet Mitte November 2026 und es befinden sich noch viele Kinder auf der Warteliste, die sich eine:n Mentor:in wünschen. Wer Interesse hat, kann sich hier informieren und bewerben.
Charlotte Kellner
Leitung Öffentlichkeitsarbeit, kein Abseits! e.V.
Infos zum Mentoring
Nächster Durchgang: ab Mitte November 2026
Umfang: acht Monate, einmal wöchentlich etwa drei Stunden
Veranstalter: kein Abseits! e.V.
Internet: kein-abseits.de/unterstuetzen/engagement/mentoring


