Grüne Kritik an fehlendem Einsatz für Spielplatzanlagen im Bezirk

Bild des derzeitigen Zustandes der gesperrten Kletteranlage des Spielplatzes an der Göschenstraße. Bild: Andrea Behnke

Die Fraktion von Bündnis 90/ Die Grünen kritisiert das Bezirksamt für den desolaten Zustand einiger
bezirklicher Spielplatzanlagen.
„Spielplätze dienen nicht nur zum Spielen der Kinder, sondern auch als Begegnungsstätte für Jugendliche,
Eltern und Großeltern, und ermöglichen so den wichtigen sozialen Austausch und die Möglichkeit, das
Familien-Netzwerk auf einfachste Weise (unverbindlich und spontan) zu erweitern! Dafür müssen diese
Flächen aber vom Bezirk geschaffen und gepflegt werden. Unser Bezirk kommt diesen Pflichten zurzeit nur
sehr ungenügend nach! Unsere Anträge für einen weiteren Spielplatz in Lübars, wo es bislang nur einen
einzigen für das gesamte Gebiet gibt, für die Realisierung eines Wasserspielplatzes in Reinickendorf, oder
für das Anbringen von Wasserpumpen an Spielplatzanlagen mit offiziellem Matschtischangebot, wurden
bislang immer mit einer Mehrheit aus CDU und AfD abgelehnt“, so Andrea Behnke, kinder-, jugend- und
sportpolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Reinickendorf.
Die Grüne Fraktion setzt sich für einen familienfreundlichen Bezirk ein, mit Zugang zu abwechslungsreichen
Spielflächen für alle in wohnortnähe. Reinickendorf hat flächentechnisch zwar eine gute
Spielplatzversorgung im Berliner Vergleich, im Hinblick auf die pro Kopf-Versorgung besteht jedoch eine
Unterversorgung im Bezirk. Eine kleine Anfrage aus dem Jahr 2016 mit dem Titel „Aktuelle Bedarfe an
öffentlichen Spielplätzen“ ergab, dass 110.000 m2 – 34% – Spielfläche fehlten, um den Bedarf in
Reinickendorf zu decken. Zu den am stärksten unterversorgten Regionen gehörten das Märkische Viertel
mit 25.000 m2, Reinickendorf mit 21.000 m2 und Wittenau mit 17.000 m2.
Zudem besteht ein Defizit bei der Qualität der bestehenden Spielflächen. Aktuell sind insbesondere die
Anlage in der Göschenstraße in Wittenau, sowie der Spielplatz im Freizeitpark Lübars nicht instand
gehalten. Zudem gibt es kein einziges Spielplatzangebot mit Wasserelementen oder einfachen Pumpen in
Reinickendorf. Im Vergleich: Tempelhof-Schöneberg hat 41 Wasserspielplätze. Laut einer schriftlichen
Anfrage aus dem Abgeordnetenhaus vom August 2018, ist Reinickendorf der einzige Bezirk der nur ein
einziges Wasserspielgerät, mit Einbau von 1989, angeben konnte, welches derzeit jedoch abmontiert ist.
„Ich würde mir natürlich wünschen, dass der Bezirk mehr Spielplatzflächen zur Verfügung stellt. Noch mehr
würde ich mir jedoch wünschen, dass bestehende Flächen regelmäßig instand gehalten werden und
abwechslungsreiche Angebote bereitgestellt werden, wie beispielsweise Wasserspielplätze und
funktionierende Spielgeräte ohne Defekt“, so Behnke.
Die folgenden Fotos zeigen den Vergleich des jetzigen Zustandes der Spielanlagen mit Fotos aus der
bezirklichen Spielplatzbroschüre von 2019. Aktuell ist das Spielen insbesondere auf den Spielplatzanlagen
an der Göschenstraße in Wittenau, sowie im Freizeitpark in Lübars durch den Defekt des Großteils der
Spielgeräte nicht möglich und stellt teilweise sogar eine Verletzungsgefahr dar.
2018 wurde die Situation der Reinickendorfer Spielplätze in einem Artikel des Berliner Abendblatts
folgendermaßen beschrieben: „Weniger dramatisch ist die Situation in Reinickendorf. Sämtliche 85
Spielplätze verfügen den Angaben zufolge über vollständig intakte Spielgeräte. Drei
Anlagen sind wegen Neubauarbeiten gesperrt.“
Es stellt sich die Frage: Was ist passiert, dass sich innerhalb von gut 3 Jahren die Situation der Spielplätze
so verändert hat, dass vermehrt Spielgeräte fehlen und Anlagen in einem schlechten Zustand sind?

BVV-Fraktion Reinickendorf

Ergänzend die Stellungnahme der Stadträtin:

Die in der Pressemitteilung der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen vom 26.07.2021 geäußerte Pauschalkritik zu den Spielplatzanlagen in Reinickendorf wird vom Bezirksamt entschieden zurückgewiesen und sie befremdet, ist doch die Autorin Mitglied in der Spielplatzkommission und hat dort noch kürzlich die gute Arbeit des Bezirksamtes gelobt. Die schriftlichen Äußerungen ignorieren dagegen gänzlich die Tatsache, dass ihr als Mitglied der Spielplatzkommission die Versorgung der Reinickendorfer Ortsteile und der Bedarf an weiteren Spielplätze in den einzelnen Regionen sowie auch Erwägungen zur Gestaltung der Spielplätze bekannt sein müssten.

Reinickendorf bietet mit seinen 87 bezirklichen Spielplätzen auf rund 190.000 m² und den zahlreichen weiteren Spielplätzen, die u. a. durch Wohnungsbaugesellschaften betrieben werden, ein großes Angebot an Spielmöglichkeiten für Kinder, das konstant auf hohem Niveau unterhalten und stetig weiterentwickelt wird. So wurde der 2020 sanierte Spielplatz am Dianaplatz in Waidmannslust sogar in einem Artikel des Tagesspiegels vom 15.07.2021 als einer der 10 besten Spielplätze Berlins gewürdigt. Aufgrund des im Bezirk geleisteten großen Unterhaltungsaufwands konnte die Schließung von Spielplätzen in Reinickendorf bislang gänzlich vermieden werden.

In der Spielplatzkommission wird regelmäßig, unter Beteiligung der Bezirksverordneten aller Fraktionen, der aktuelle Stand der Unterhaltung und Neugestaltung von Spielplätzen besprochen.

Zu den einzelnen Aspekten:  

–          Wasserspielplätze verursachen sowohl im Bau als auch im Unterhalt erhebliche Kosten, die dann für die anderen Spielplätze nicht zur Verfügung stehen würden. Der Bezirk verzichtet deshalb auf Wasserspielplätze zugunsten der Unterhaltung von mehr „normalen“ Spielplätzen, was in der auch der in der Spielplatzkommission besprochen wurde, der Frau Behnke angehört.

Bei der Beurteilung des Spielangebotes muss auch die besondere Lage des Bezirks im Stadt- und Naturraum beachtet werden. Der Bezirk Reinickendorf unterscheidet sich mit seiner Randlage in vielerlei Hinsicht deutlich von solchen mit einer innenstädtischen Lage. Reinickendorf bietet mit seinen naturnahen Wald-, Wasser- und Freilandflächen insbesondere auch für Familien besondere Angebote, die über technische Spielangebote hinausgehen und das bauliche Angebot im Bezirk ergänzen. Zahlreiche Spielplätze im Bezirk sind mit erheblichem finanziellem Aufwand in den letzten Jahren kontinuierlich weiterentwickelt oder ganz erneuert worden, was sich auch in den kommenden Jahren fortsetzen soll. Der Bezirk setzt in jedem Jahr eigene Investitionsmittel für die Erneuerung von zwei Spielplätzen ein, weitere drei bis fünf werden jährlich aus Mitteln erneuert, die dem Bezirk über Sonderprogramme zur Verfügung gestellt werden.

–          In Lübars gibt es zwar nur einen bezirklichen Spielplatz, er ist aber mit seinen fast 10.000 m² auch einer der größten im Bezirk und gemessen an der Bebauungsdichte in diesem Ortsteil großzügig dimensioniert. Der Ortsteil Lübars verfügt damit über einen Versorgungsgrad von 176 %. Der Spielplatz wurde bereits im Jahr 1989 errichtet, weshalb eine Neugestaltung für 2023 bereits vorgesehen ist. Die Beseitigung mehrerer großer Vandalismusschäden, u. a. auch hervorgerufen durch einige Brandanschläge, hat bereits sehr hohe Aufwendungen verursacht. Die Reparatur der Wasserspirale wird wegen Lieferengpässen bei Ersatzteilen, die von uns nicht zu beeinflussen sind, leider noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

–          Im Märkischen Viertel befinden sich sieben öffentliche Spielplätze mit einer Gesamtspielfläche von rund 19.000 m², die vom Bezirksamt unterhalten werden; der Versorgungsgrad liegt dementsprechend bei 64 %. Zusätzlich gibt es zahlreiche weitere Spielplätze, die von den Wohnungsbaugesellschaften auf eigenen Flächen betrieben werden.

–          Im Ortsteil Reinickendorf gibt es 37 bezirkliche Spielplätze mit einer Gesamtfläche von 71.500 m², der Versorgungsgrad liegt in Reinickendorf Ost bei 100 %, in Reinickendorf West bei 70 %. Ein noch größeres Spielplatzangebot ist hier aufgrund der hohen Bebauungsdichte kaum umsetzbar, da dafür erforderliche Flächen fehlen.

–          Der Ortsteil Wittenau hat derzeit sechs bezirkliche Spielplätze mit einer Gesamtfläche von 5.500 m². Da hier ein zusätzlicher Bedarf gesehen wird, sind derzeit drei große zusätzliche Spielplatzflächen im Bereich Roedernallee / Alt Wittenau in der Planung. Der erste Bauabschnitt soll noch in diesem Jahr beginnen und die gesamte Anlage 2023 fertiggestellt werden. Diese Planungen wurden in der Spielplatzkommission vorgestellt.

Pandemiebedingt hat sich die Nutzungsintensität der Spielplätze seit dem letzten Jahr deutlich erhöht. Aufgrund fehlender Alternativen dienen Spielplätze darüber hinaus zunehmend auch als Treffpunkt für Personengruppen, für die diese nicht vorgesehen sind. Das ist mit diversen Konflikten verbunden und erhöht den Unterhaltungsaufwand deutlich. Eine größere Abnutzung, Vermüllung und Vandalismusschäden sind ebenso die Folge wie Lärmbelästigungen. Hinzu kommt, dass konjunkturbedingte Lieferschwierigkeiten bei Stahlprodukten eine zeitnahe Reparatur oder Erneuerung verhindern, wie bei der bereits im Mai 2021 beauftragten Reparatur des Stahlseils auf dem Spielplatz im Göschenpark.

Insgesamt ist festzustellen, dass der Bezirk Reinickendorf eine Vielzahl von attraktiven und großen Spielplätze tolle Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung bietet und zugleich beständig an der Ausweitung des Spielplatzangebotes arbeitet, wo zusätzlicher Bedarf besteht. Eine detaillierte Übersicht über die öffentlichen Spiel- und Bolzplätze ist auf der Homepage des Bezirksamtes, Fachbereich Gartenbau abrufbar: https://www.berlin.de/ba-reinickendorf/politik-und-verwaltung/aemter/strassen-und-gruenflaechenamt/gartenbau/artikel.87801.php. Dort kann auch die bezirkliche Spielplatzbroschüre eingesehen werden.

Bezirksamt Reinickendorf, Abteilung Bauen, Bildung und Kultur

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