
Die außergewöhnlich heißen Tage der vergangenen Woche haben erneut gezeigt: Hitzewellen treten immer häufiger auf und stellen Städte vor große Herausforderungen.
Umso wichtiger ist es, öffentliche Freiräume so zu gestalten, dass sie Schatten spenden, das Stadtklima verbessern und die Folgen extremer Hitze abmildern. Mit dem jetzt veröffentlichten Freiraumkonzept Reinickendorf einschließlich des Maßnahmenplans liegt erstmals eine bezirksweite Strategie vor, um Grünflächen, Plätze und Straßenräume zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Das Konzept steht ab sofort auf der Internetseite des Bezirksamtes zum Download bereit.
Klimaanpassung ist im Alltag angekommen
Bezirksstadträtin Korinna Stephan (B`90/Grüne) erklärt: „Die Hitzetage haben eindrucksvoll gezeigt, dass Klimaanpassung längst im Alltag angekommen ist. Gut geplante Freiräume sind weit mehr als schöne Grünanlagen. Sie spenden Schatten, kühlen ihre Umgebung, speichern Regenwasser und schaffen Orte, an denen sich Menschen auch an heißen Sommertagen gerne aufhalten. Stadtentwicklung entscheidet heute mit darüber, wie gut wir mit den Folgen des Klimawandels leben können. Das Freiraumkonzept schafft dafür die strategische Grundlage.“
Was der Maßnahmenplan vorsieht
Das Freiraumkonzept bündelt Maßnahmen für mehr Hitzeschutz, Entsiegelung, Regenwassermanagement im Sinne der Schwammstadt, zusätzliche Baumpflanzungen, den Erhalt der biologischen Vielfalt sowie die Aufwertung öffentlicher Räume. Der Maßnahmenplan benennt konkrete Projekte und Prioritäten, beispielsweise die Verschattung strategisch wichtiger Spiel- und Sportflächen, die Schaffung zusätzlicher Aufenthaltsqualität oder die Verbesserung wichtiger Wegeverbindungen.
Hitzeschutz ist auch eine soziale Frage
„Hitzeschutz ist auch eine soziale Frage. Nicht jeder Mensch hat einen Garten oder einen kühlen Rückzugsort. Gerade Kinder, ältere Menschen und Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen sind auf gut gestaltete öffentliche Räume angewiesen. Deshalb investieren wir mit dem Freiraumkonzept nicht nur in Grünflächen, sondern in Gesundheit für alle Reinickendorferinnen und Reinickendorfer,“ ergänzt Korinna Stephan.
Der Maßnahmenplan dient künftig als fachliche Grundlage, um Projekte zu priorisieren, Fördermittel gezielt einzuwerben und die Entwicklung der öffentlichen Freiräume Schritt für Schritt umzusetzen.
Wie der Plan erarbeitet wurde
Selbstverständlich wird ein solches Konzept vom Stadtentwicklungsamt mit dem Straßen- und Grünflächenamt und auch dem Umwelt- und Naturschutzamt erarbeitet und diese immer wieder zu Workshops und Arbeitstreffen eingeladen. Allerdings hat insbesondere das Straßen- und Grünflächenamt wie hinlänglich bekannt eine so dünne Personaldecke und eine hohe Fluktuation, dass eine kontinuierliche Mitarbeit über den gesamten Zeitraum leider nicht gewährleistet werden konnte.
Städtebauliche Freiraumkonzepte sind ein wichtiges Instrument, um die Entwicklung von Grün- und Freiflächen einer Stadt langfristig zu planen. Parks, Plätze, Straßenräume, Spiel- und Aufenthaltsflächen sowie Gewässer werden dabei nicht isoliert betrachtet, sondern als zusammenhängendes Netz verstanden. Ziel ist es, die Lebensqualität zu verbessern, Freiräume für Erholung und Begegnung zu sichern, die biologische Vielfalt zu stärken und die Stadt besser an die Folgen des Klimawandels anzupassen. Begrünung, Verschattung und der Umgang mit Regenwasser können beispielsweise dazu beitragen, Hitze zu reduzieren und Starkregen besser zu bewältigen.
Ein solches Konzept ist in der Regel nicht unmittelbar rechtsverbindlich. Es dient vielmehr als strategische und planerische Grundlage für die weitere Stadtentwicklung. Seine Ziele können anschließend beispielsweise in die Bauleitplanung und damit in rechtsverbindliche Planungen einfließen.
Damit schafft ein Freiraumkonzept einen langfristigen Orientierungsrahmen: Es hilft, Freiräume frühzeitig zu sichern, unterschiedliche Nutzungsinteressen abzuwägen und die Entwicklung einer Stadt nachhaltig und qualitätsvoll zu gestalten. Darüber hinaus ist ein solches Konzept Grundlage für die Akquise von Fördermitteln, da die Maßnahmen allein aus bezirklichen Mitteln nicht umgesetzt werden können.
Bezirksamt Reinickendorf
Transparenzhinweis: Der Abschnitt „Wie der Plan erarbeitet wurde“, ist am 19. August dem Beitrag hinzugefügt worden, nachdem ein Nutzer auf Facebook nachgefragt hatte, ob auch das Straßen- und Grünflächenamt an dem Plan mitgearbeitet hat und Stadträtin Korinna Stephan diese Frage sehr ausführlich beantwortet hat.

