
Fast sechs Jahre nach dem letzten Abflug vom Flughafen Tegel stachen auf dem früheren Flugfeld die Spaten in den Sand. Mit einem Festakt der degewo AG hat am 3. September der Wohnungsbau im Schumacher Quartier begonnen. Auf den Baufeldern 12 und 28 entstehen 327 Wohnungen, eine Kindertagesstätte sowie 15 Gewerbeeinheiten. Die Hälfte der Wohnungen wird öffentlich gefördert.
327 Wohnungen auf den ersten beiden Baufeldern
Gemeinsam mit dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner, Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler, Reinickendorfs Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner und dem Geschäftsführer der Berlin TXL Management GmbH, Frank Wolters, stellte degewo heute das erste eigene Wohnungsbauprojekt im Schumacher Quartier vor.
„Mit dem Schumacher Quartier schaffen wir dringend benötigten Wohnraum für Berlinerinnen und Berliner und setzen gleichzeitig Maßstäbe für nachhaltiges und klimagerechtes Bauen. Die ersten degewo-Gebäude verbinden bezahlbares Wohnen, innovative Bauweisen und eine hohe Lebensqualität in einem zukunftsweisenden Stadtquartier“, sagte Pascal Atzert, Vorstandsmitglied von degewo.
Ein Quartier für mehr als 10.000 Menschen
Das Schumacher Quartier zählt nach Angaben der degewo zu den bedeutendsten Stadtentwicklungsprojekten Deutschlands. Auf einer Fläche von rund 46 Hektar entstehen mehr als 5.000 Wohnungen für über 10.000 Menschen. Neben Wohnraum umfasst das Quartier fünf Kindertagesstätten, eine Grundschule, eine Gemeinschaftsschule, eine Jugendfreizeiteinrichtung sowie umfangreiche Grün- und Freiflächen.
„Das Schumacher Quartier ist ein Schlüsselprojekt für die Entwicklung Berlins: Wir schaffen dringend benötigten, bezahlbaren Wohnraum und setzen zugleich neue Maßstäbe bei einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Die Transformation des ehemaligen Flughafens Tegel ist anspruchsvoll, denn wir wollen hier ein zukunftsfähiges Stadtquartier für die Berlinerinnen und Berliner schaffen“, sagte der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner.

Holzhybridbauweise und Schwammstadt-Prinzip
Die degewo-Gebäude entstehen in moderner Holzhybridbauweise mit einem hohen Holzanteil in der tragenden Gebäudestruktur. Das Quartier folgt dem Schwammstadt-Prinzip zur nachhaltigen Regenwasserbewirtschaftung und soll über ein LowExergy-Netz klimafreundlich mit Wärme versorgt werden. Zudem ist ein autoarmes Mobilitätskonzept mit Mobility-Hubs, Carsharing- und Bikesharing-Angeboten vorgesehen.
„Das Schumacher Quartier ist ein Leuchtturmprojekt für die Berliner Wohnungsbauoffensive. Hier verbinden sich soziale Verantwortung, innovative Energiekonzepte und nachhaltige Bauweisen zu einem Quartier mit Vorbildcharakter“, sagte Christian Gaebler, Senator für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen.
Als Teil der Gesamtentwicklung Berlin TXL entsteht das Schumacher Quartier in unmittelbarer Nachbarschaft zur Urban Tech Republic, dem geplanten Innovations- und Forschungsstandort auf dem ehemaligen Flughafengelände. Beide Projekte bilden gemeinsam einen neuen Zukunftsstandort für Wohnen, Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft.
„Mit dem Projektstart beginnt für Berlin TXL eine neue Phase: Die bauliche Entwicklung im Schumacher Quartier und in der Urban Tech Republic schreitet nun parallel voran. Damit wird auf dem Gelände Schritt für Schritt sichtbar, wie aus dem ehemaligen Flughafen ein neues Wohnquartier und ein Innovationsstandort entstehen“, sagte Frank Wolters, Geschäftsführer der Berlin TXL Management GmbH.
„Ein historischer Moment“ für den Bezirk
Für Reinickendorf beginnt mit dem Spatenstich ein neues Kapitel. „Für Reinickendorf ist der heutige Spatenstich ein historischer Moment. Auf dem ehemaligen Flughafengelände entsteht ein neuer Teil unseres Bezirks – und damit beginnt ein neues Kapitel, der Reinickendorf über viele Jahrzehnte prägen wird“, erklärte Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner (CDU). Entscheidend sei, dass das Quartier von Anfang an gut in den Bezirk eingebunden werde, mit Kitas, Gewerbe, guten Wegen, Grün- und Freiflächen und einer funktionierenden Anbindung an die bestehende Infrastruktur.
„Ich wünsche mir, dass hier nicht nur Gebäude entstehen, sondern echte Nachbarschaften wachsen – Menschen, die sich begegnen, füreinander da sind und sich in ihrem neuen Zuhause heimisch fühlen“, sagte die Bezirksbürgermeisterin. Das Quartier solle kein abgetrennter neuer Stadtteil neben Reinickendorf werden, sondern ein selbstverständlicher Teil des Bezirks. „Heute haben wir dafür einen wichtigen ersten Schritt gemacht. Jetzt kommt es darauf an, dass aus den Bauplänen ein Ort wird, an dem Menschen gerne leben, arbeiten und sich begegnen.“
Stimmen aus der Bezirkspolitik
Aus der Bezirkspolitik kam weitere Zustimmung zu dem Projekt. „Es ist eine gute Nachricht für den Berliner Norden, dass sich auf dem TXL-Gelände endlich für jedermann sichtbar etwas tut“, erklärte der Reinickendorfer Bezirksverordnete Felix Schönebeck (CDU).
Der SPD-Wahlkreiskandidat für Heiligensee und Tegel, Samuel Märkt, begrüßt den Baubeginn ebenfalls, kritisiert aber, dass das Wohnungsbaupotenzial auf dem Gelände nicht ausgeschöpft werde. „Das Kurt-Schumacher-Quartier ist ein zentraler Baustein, wenn es darum geht, die Wohnungsbauziele zu erreichen und das Angebot an bezahlbaren Wohnungen zu erhöhen“, sagte Märkt. Er bedauert, dass die Genossenschaften bislang nicht in die Planungen einbezogen wurden. Nach der Konzeptstudie „Coop-City Tegel“, die das Bündnis junger Genossenschaften 2022 vorgestellt hat, könnten sie im Schumacher Quartier 1.000 dauerhaft bezahlbare genossenschaftliche Mietwohnungen umsetzen.
„Bis heute haben wir keine Antwort des Senats auf unser Angebot erhalten“, kritisiert Andreas Barz, Ko-Sprecher des Bündnisses junger Genossenschaften. „Die jungen Genossenschaften stehen bereit, sich an der Verwirklichung dieses Zukunftsprojekts zu beteiligen.“ Märkt verweist zudem auf angrenzende Flächen in Tegel-Nord, auf denen aus seiner Sicht weitere 2.500 Wohnungen errichtet werden könnten.
Einzug ab Anfang 2029
Die Fertigstellung der ersten degewo-Wohngebäude ist für Ende 2028 geplant. Der Einzug der ersten Bewohnerinnen und Bewohner soll ab dem ersten Quartal 2029 erfolgen. Eine Bewerbung auf die ersten Wohnungen wird laut degewo etwa drei Monate vor dem geplanten Vermietungsbeginn möglich sein, also voraussichtlich im Herbst 2028.
DZ


