„Rauf aufs Rad“ – Zehntausende Demonstierende

Die Fahrradfahrenden während der Demo am Roten Rathaus. Bild: Mathias Adelhoefer

Bei der diesjährigen Fahrrad-Sternfahrt am 12.6.2022 haben wieder Zehntausende Radfahrer:innen für eine sichere Radinfrastruktur in Berlin demonstriert. Dem Motto der Sternfahrt „Rauf aufs Rad“ waren auch in Reinickendorf zahlreiche begeisterte Radfahrende gefolgt. Aufgerufen zu der Fahrrad-Demo hatte der Fahrradclub ADFC Berlin. Dem Aufruf, an der Großdemo teilzunehmen, schlossen sich weitere Verbände, Parteien, Sportvereine, Schulen etc. Aus Reinickendorf gelangten die Radfahrenden über die Nordstrahlen des Sterns via Frohnau, Tegel und Heiligensee über die AVUS bzw. via Hermsdorf und Wittenau über den Autobahn-Südring zum Großen Stern.

Vor dem Brandenburger Tor fand das Umweltfestival mit über 200 Ausstellern statt. Thematische Schwerpunkte in diesem Jahr waren Natur- und Klimaschutz, gesunde Ernährung, klimafreundliche Mobilität und erneuerbare Energien. Von insgesamt 80 Startpunkten aus und auf 18 Strahlen wurden die Demo-Teilnehmer:innen von der Polizei und freiwilligen Ordner:innen des ADFC begleitet. Diese sorgten dafür, dass die Tour mühelos und sicher absolviert werden konnte. Der Alltag für viele Radfahrende sieht völlig anders aus. Auf Grund der mangelnden Radinfrastruktur und des Verhaltens einiger motorisierter Verkehrsteilnehmender werden Radfahrende angehupt, verbal-aggressiv beleidigt, zu knapp überholt oder sogar angefahren. Als ob das an Gefahren nicht schon genug wäre, kommt hinzu, dass die Radfahrt über die zahlreichen Holperpisten so gefährlich ist, dass mancher ins Trudeln kommt oder gar stürzt. Solche Erfahrungen reichen, um einem den Spaß am Alltags-Radeln zu nehmen. Dabei könnten auch im Alltag viele Kilometer mit dem umweltfreundlichsten Fahrzeug zurückgelegt werden – wenn nicht die ständige Angst vor Unfällen mitfahren würde. Umfragen haben ergeben, dass viel mehr Radfahrende ihre Räder täglich benutzen würden, vorausgesetzt es gäbe eine sichere und komfortable Radinfrastruktur.

Für die Umwelt und das Stadtklima wäre es sowieso besser, wenn mehr Menschen regelmäßig aufs Rad steigen würden, da Emissionen eingespart, Lärm und Unfälle vermieden werden. Während der Demo bestätigte sich wieder, wie Radfahren auch zu einer freundlichen sozialen Atmosphäre beitragen kann. Auf den breiten Straßen in die Innenstadt ergaben sich viele Gespräche mit Gleichgesinnten: Einige Teilnehmer:innen waren mit super schicken Rädern unterwegs, die bestaunt wurden, es wurde auch ein wenig gefachsimpelt. Von Lenker zu Lenker wurden Tipps für den nächsten Wochenendausflug ins Umland ausgetauscht. Die Stimmung der Radfahrer:innen war durchweg fröhlich und entspannt. Das ganze Gegenteil also vom sonst eher angespannten und sorgenvollen Weg durch die Stadt. Viele fragten sich, warum das nicht öfter so sein kann!

Mathias Adelhoefer, Changing Cities Reinickendorf

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