Nachnutzung Waldhotel Frohnau: Großer Andrang bei Informationsveranstaltung

Ein Mann spricht mit Mikrofon vor einem voll besetzten Saal im Centre Bagatelle
Thomas Mertens, Prokurist der Unternehmensgruppe Home & Care, stellt im voll besetzten Centre Bagatelle die Pläne für das ehemalige Waldhotel vor. Bild: © DZ

Home & Care hatte am Freitag, 28. August 2026, um 17:30 Uhr in das Centre Bagatelle eingeladen, um ihr Konzept vorzustellen und mit den Frohnauerinnen und Frohnauern ins Gespräch zu kommen. Bezirksstadträtin Korinna Stephan und Bezirksstadtrat Uwe Brockhausen waren vor Ort. Angeregt hatte die Veranstaltung der Bürgerverein in der Gartenstadt Frohnau. Weil nicht alle Interessierten in der ersten Runde einen Platz im Veranstaltungsraum fanden, bot das Unternehmen im Anschluss eine zweite Informationsrunde an.

Einrichtung für 54 Menschen

Vorgesehen ist eine Einrichtung für wohnungslose Menschen mit ambulantem Pflegebedarf sowie für wohnungslose Familien mit Kindern. Nach der Darstellung des Betreibers sollen im Erdgeschoss vor allem Menschen mit Pflegebedarf bis Pflegegrad 3 unterkommen, das Obergeschoss ist für Familien mit Kindern vorgesehen. Insgesamt sollen Plätze für 54 Personen entstehen. Die vorhandene Gebäudestruktur soll weitgehend erhalten bleiben, Anbauten, Container oder größere Erweiterungen sind nicht geplant.

Menschen mit besonderen Problemlagen oder Suchterkrankungen, Personen aus der akuten Obdachlosigkeit und Geflüchtete sollen dort nach Angaben von Home & Care nicht untergebracht werden. Die Belegung erfolge ausschließlich durch Zuweisungen des Bezirksamtes Reinickendorf. Öffentliche Zuschüsse für Bau oder Betrieb gebe es nicht, finanziert werde die Einrichtung über Tagessätze des Sozialamtes, deren Höhe noch verhandelt werden muss.

Zweifel an der personellen Ausstattung

In der Diskussion ging es vor allem um Betreuung, Sicherheit und Integration. Viele Teilnehmende äußerten Zweifel, ob die vorgesehene personelle Ausstattung ausreicht. Kritisch hinterfragt wurde besonders, dass Sozialarbeit, Hausmeisterdienst und Sicherheitskräfte nicht durchgehend vor Ort sein sollen. Tagsüber sollen eigene Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter eingebunden werden, ein Hausmeisterdienst ist an Werktagen tagsüber vorgesehen, dazu Bestreifungen durch Sicherheitsdienste und ein internes Notrufsystem für Notfälle.

Eine im Publikum anwesende Lehrerin wies auf die Notwendigkeit einer frühzeitigen Abstimmung mit den Schulen hin. Der Betreiber rechnet damit, dass vier bis sechs Kinder im Grundschulalter in der Einrichtung leben werden. Auch die Außenanlagen waren Thema: die vorhandenen Bäume sollen erhalten bleiben und die Flächen ansprechend hergerichtet werden. Der Teich soll entfernt und ein Spielplatz angelegt werden. Positiv aufgenommen wurde die Bereitschaft, ehrenamtliches Engagement aus der Nachbarschaft einzubinden.

Bezirksstadträtin Korinna Stephan (Bündnis 90/Die Grünen) sagte: „Der große Andrang zeigt, wie hoch das Informationsbedürfnis rund um die geplante Nutzung des Waldhotels ist. Deshalb begrüße ich sehr, dass Home & Care das Gespräch mit den Frohnauerinnen und Frohnauern gesucht hat und diesen Dialog fortsetzen möchte. Besonders dankbar bin ich für die spontane Entscheidung, eine zweite Runde anzubieten. Es ist wichtig, dass die Menschen die Möglichkeit bekommen, sich aus erster Hand zu informieren, Fragen zu stellen und ihre Sorgen offen anzusprechen.““

Bezirksstadtrat Uwe Brockhausen (SPD) erklärte: „Entscheidend ist, tragfähige Strukturen für die Menschen zu schaffen, die dort künftig untergebracht werden sollen, und zugleich die Nachbarschaft und ihre berechtigten Anliegen im Blick zu behalten.“

Der Bürgerverein fordert ein verbindliches Betreiberkonzept

Der Bürgerverein in der Gartenstadt Frohnau begrüßt die Veranstaltung als Schritt zu mehr Transparenz, sieht aber weiter Diskussionsbedarf. In seinem Bericht vom 30. August fordert er ein verbindliches Betreiberkonzept, das Belegung, Betreuung, Sicherheit und Integration klar regelt. Angestrebt werden sollte aus Sicht des Vereins eine verlässliche Ansprechperson vor Ort an sieben Tagen in der Woche und rund um die Uhr, mindestens auf dem Niveau einer Hausmeisterstelle, dazu eine durchgängige soziale Betreuung zumindest tagsüber und eine Evaluationsklausel.

Der Verein verweist auf die lange Tradition sozialer Einrichtungen in der Gartenstadt: Deren Qualitätsniveau solle auch für das Waldhotel Maßstab sein. Zugleich empfiehlt er dem Bezirksamt, bei vergleichbaren Vorhaben künftig von sich aus frühzeitig zu informieren und die Anwohnerschaft einzubeziehen.

Bauantrag noch nicht vollständig

Unabhängig vom Austausch mit der Nachbarschaft prüfen die zuständigen Fachbereiche des Bezirksamtes den eingereichten Bauantrag weiter. Noch fehlende Unterlagen wurden zur Nachreichung angefordert. Erst wenn sie vollständig vorliegen, kann die Prüfung abgeschlossen werden. Home & Care hat angekündigt, den Austausch mit der Nachbarschaft fortzuführen und weitere Informationsveranstaltungen anzubieten. Das Bezirksamt begrüßt dies und will gegenüber dem Betreiber darauf hinwirken, dafür größere Räumlichkeiten vorzusehen.

DZ

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