
Im April 2023 verschwand die bronzene Skulptur „Sitzende Trauernde“ von der Grabanlage Richard Lohmann auf dem Frohnauer Friedhof in der Hainbuchenstraße. Jetzt ist die Figur wieder aufgetaucht, und die Diebe wurden verurteilt.
Vier Jahre Haft für ein Ehepaar aus Mecklenburg-Vorpommern
Die 12. Große Strafkammer des Landgerichts Berlin I hat am 9. Juli ein Ehepaar wegen gewerbsmäßigen Diebstahls in 28 Fällen und versuchten Diebstahls in zwei Fällen verurteilt: den 68-jährigen Reiner F. zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren und vier Monaten, die 63-jährige Christiane F. zu vier Jahren und zwei Monaten. Dazu ordnete das Gericht die Einziehung von Wertersatz in Höhe von 8.000 Euro an. Ein 57-jähriger Berliner, Roland K., erhielt wegen gewerbsmäßiger Hehlerei in 18 Fällen zwei Jahre Freiheitsstrafe, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wurde. Er soll 2.100 Euro Wertersatz leisten.
Nach den Feststellungen der Kammer stahl das Ehepaar zwischen 2023 und 2025 zahlreiche Bronzeplastiken, Skulpturen, Reliefplatten und Umfriedungen von Grabstätten. Betroffen waren hauptsächlich Berliner Friedhöfe, aber auch Friedhöfe in Lübeck, Hamburg, Rostock und Potsdam. Einen Teil des Diebesguts veräußerte das Paar an den Mitangeklagten K., der es in Kenntnis der Herkunft an Abnehmer im Bundesgebiet und in der Schweiz gewinnbringend weiterverkaufte. Alle Angeklagten handelten gewerbsmäßig, bestritten mit den Taten also zumindest teilweise ihren Lebensunterhalt.
Die Diebstähle verübte das Paar zumeist im Schutz der Dunkelheit. Einige der Werke waren kunsthistorisch bedeutsam, das schwerste wog 150 Kilogramm. Als besonders verwerflich bewertete die Kammer den Diebstahl einer Jesus-Figur von einem Kindergrab in Berlin. Allein dafür verhängte sie Einzelstrafen von zwei Jahren und zwei Monaten gegen Reiner F. und von zwei Jahren gegen Christiane F. In der Hauptverhandlung waren alle Angeklagten geständig.
Was wurde aus der Frohnauer Figur?
Das Kammergericht teilte mit, dass bis auf eine Plastik alle entwendeten Güter an die jeweils Berechtigten zurückgegeben werden können. Die Figur „Sitzende Trauernde“ war ebenfalls Gegenstand des Urteils bestätigte eine Sprecherin der Berliner Strafgerichte der Dorfzeitung. Die Angeklagten hätten die Plastik während der Hauptverhandlung von dem Erwerber zurückerworben und sie nach einem Verhandlungstermin Anfang Juli dem Landeskriminalamt Berlin übergeben. Geplant ist, dass die Figur auf den Friedhof in Frohnau wieder aufgestellt wird, sobald sie an das Straßen- und Grünflächenamt übergeben wurde. Der genaue Zeitpunkt ist derzeit noch offen.

Grundbesitzerverein regte Gedenktafel an
An die Figur und ihre Bedeutung erinnert seit Mai 2026 eine Info-Tafel an der Grabanlage: Richard Lohmann (1861 bis 1913) war Fabrikbesitzer und Mitinhaber der 1848 gegründeten Metallwarenfabrik „Ebel & Lohmann“ in der Freienwalder Straße 35-38 in Berlin-Gesundbrunnen. Er gehörte zu den ersten Ansiedlern der 1910 gegründeten Gartenstadt Frohnau und hatte sein Haus im Barbarossakorso, der heutigen Welfenallee. Die vermutlich lebensgroße Bronzefigur entstand um 1913 im Auftrag der Familie Lohmann, Künstler und Gießerei sind unbekannt.
Die Figur saß vor der Muschelkalksteinwand der Grabanlage, den Kopf auf den linken Arm gestützt, den Blick gesenkt, den rechten Arm auf die Grabeinfassung gelegt. Weibliche Trauerfiguren gehörten zu den beliebtesten Grabplastiken der Kaiserzeit zwischen der Reichsgründung 1871 und dem Ende des bürgerlichen Zeitalters nach dem Ersten Weltkrieg. Auf der Tafel heißt es: „Bei der Trauernden handelt es sich um ein besonders würdevolles und seltenes Kunstwerk dieser Gattung.“
Die Tafel geht auf eine Initiative des Grundbesitzer-Vereins der Gartenstadt Berlin-Frohnau e. V. zurück, der auch die Kosten für Gestaltung und Druck übernommen hat. Das Straßen- und Grünflächenamt Reinickendorf unterstützte das Projekt und übernahm die Installation vor Ort.
DZ

