Lohnerhöhung und Verschleißpauschale zugesichert

Erste Ergebnisse in den Verhandlungen zwischen Foodora und der Basisgewerkschaft FAU Berlin
Am Freitag, den 18. August endete die erste Verhandlungsrunde zwischen der FAU Berlin und der Foodora-
Geschäftsführung mit Zusagen des Essenslieferanten. So hat sich Foodora bereit erklärt, bis zum nächsten
Verhandlungstermin Ende September ein Modell der gestaffelten Entgelterhöhung nach
Betriebszugehörigkeit vorzulegen und die Kosten für Betriebsmittel mit einer Verschleißpauschale
abzudecken. In den Gesprächen räumte Foodora außerdem ein, im Frühjahr 2017 Fehler gemacht zu haben,
indem zu viele Fahrer_innen eingestellt wurden. Dies sieht die FAU Berlin als Grund für zu wenig
Schichten, hohen Arbeitsdruck und ein System der Arbeit auf Abruf. Mit mehr Transparenz in Bezug auf die
Schichtplanung und mit einer Mindestprozentzahl an ständig freien Schichten will die Basisgewerkschaft
mehr Flexibilität für die Fahrer_innen durchsetzen. Foodora sicherte zu, bis zu nächstem
Verhandlungstreffen ein Schichtplanungsmodell zu entwickeln, das diesen Anforderungen entspricht.
Damit hat sich die Unternehmensführung Zeit gekauft. Die Frage nach der Höhe der Verschleißpauschale,
aber auch die genaue Umsetzung der Entgelterhöhung bleiben aber vorerst offen. „Es ist zwar Bewegung in
die Verhandlungen gekommen, aber noch sind nicht alle unsere Forderungen erfüllt“, erklärt Georgia
Palmer, selbst Foodora-Fahrerin und Teil der Verhandlungskommission der FAU Berlin. „Beim nächsten
Treffen erwarten wir von Foodora konkrete Zahlen, wie sie die Betriebsmittelkosten abdecken und die
Lohnerhöhung umsetzen wollen. Ansonsten werden wir zu gewerkschaftlichen Maßnahmen greifen. Das
kann auch heißen: Streik“.
Foodora sicherte in der ersten Verhandlung eine Verschleißpauschale für Fahrräder zu, die nicht unter den 10
Cent pro Kilometer liegen werde, die Marktkonkurrent Deliveroo bereits zahlt und kündigte erstmals an, die
Einführung von Leihfahrrädern zu prüfen. Nach Berechnungen der FAU Berlin müsste eine
Verschleißpauschale allerdings 35 Cent pro Kilometer betragen. Zudem fordert die Basisgewerkschaft 1,-
Euro mehr pro Stunde für alle Fahrer_innen, die in Berlin mit einem Einstiegsgehalt von 9,- € pro Stunde
kaum über dem Mindestlohn liegen. Eine solche Entgelterhöhung ist laut der jüngsten Umfrage der FAU
Berlin unter 150 Foodora-Fahrer_innen die dringendste Forderung der Belegschaft. „Bevor wir einen
Haustarifvertrag abschließen, werden wir alles, was wir in den Verhandlungen erreichen, den Foodora-
Mitarbeiter_innen nochmals zur Abstimmung vorlegen“, so Palmer weiter.
Die Kampagne #Deliverunion der FAU, die ungebrochen Zulauf erfährt und inzwischen auch Essenskuriere
außerhalb von Berlin mobilisieren kann, hatte zuletzt mit einer Demonstration am 28. Juni von sich reden
gemacht. Bei der Kundgebung hatten Fahrer_innen von Deliveroo Fahrradteile vor der
Unternehmenszentrale aufgehäuft, um auf die hohen Verschleißkosten aufmerksam zu machen, die von den
Unternehmen nicht übernommen werden. Während Foodora sich zu Verhandlungen mit den Fahrer_innen
der FAU Berlin bereit erklärte, blockiert der Marktkonkurrent Deliveroo weiterhin die Gespräche.
„Deliveroo hat sich damit keinen Gefallen getan“, kritisiert Clemens Melzer, Pressesekretär der FAU Berlin.
Das britische Unternehmen setzt im Gegensatz zu Foodora auch auf selbstständige Essenskuriere und sorgt
zurzeit wegen Streiks in Spanien und Frankreich für Negativschlagzeilen. Die FAU Berlin werde den Druck
auf Deliveroo erhöhen und sich dabei nicht mehr auf Kundgebungen beschränken, kündigt Melzer an: „Die
Verhandlungen mit Foodora sind nur eine Baustelle. Wir möchten Verbesserungen in der gesamten Branche
durchsetzen.“

Pressesekretariat der FAU Berlin

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