Faszination Rudern

Faszination Rudern  
Rudern lernen – eine Anfängerin erzählt
Elegant gleiten sie dahin, stetig und gleichmäßig bahnen sie sich ihren Weg auf Berlins weiten Seen und eng verschlungenen Kanälen. Ruderboote vom Ufer aus zu beobachten ist ein schöner Anblick. Oft habe ich sie schon bewundert und auch beneidet. Vor allem im Sommer, wenn man nur mit Mühe und Not einen handtuchbreiten Platz am Wasser ergattert und mit so vielen anderen den schmalen Badestreifen teilen muss. Die Ruderer scheinen den ganzen restlichen See für sich zu haben, unermesslich scheint ihre Bewegungsfreiheit und schier unbegrenzt ihr Wasserrevier.
Ein Boot am Wasserhorizont nähert sich langsam meinem Rastplatz. Ein junges Mädchen, eine ältere Dame, ein kräftiger junger Mann und ein ebensolcher Mittvierziger rudern, ein weißhaariger Herr steuert. Jeder scheint ganz in sich zu ruhen, nur auf die eigene Bewegung konzentriert. Und dennoch! Die Bewegung der einzelnen scheinen zu einer einzigen zu werden, wie von einem unsichtbaren Dirigenten geleitet – synchron, identisch in Rhythmus und Intensität. Leicht sieht es aus, mühelos. Ein Anblick, der fasziniert. Es hat etwas Beruhigendes, Entschleunigendes, fast Meditatives, gleichzeitig aber auch etwas Mitreißend-Energiegeladenes, Kraftvolles. Man möchte mittendrinn sitzen, sich mitbewegen, mitschwingen, selbst mitziehen und gezogen werden.
Und so beginnt mein inneres Zwiegespräch, wie immer, wenn ich Ruderboote sehe, und wie immer spult sich derselbe Film mit denselben frustrierenden Widersprüchen ab. Wie oft war ich schon fest entschlossen, das Rudern einmal auszuprobieren… Es wäre auch dringend notwendig etwas für meine Fitness zu tun… Meine Kondition ist miserabel, ich bin steif, unbeweglich… Aber ausgerechnet Rudern?! Unsinn!… Sicherlich mache ich mich lächerlich unter den kraftstrotzenden Ruderern…Trainiert muss man sein, fit, und Ausdauer haben! Unmöglich… kann ich nicht, schaffe ich nicht!?… Abgesehen davon, woher soll ich die Zeit stehlen neben Beruf, Familie und Kindern…? Wie immer legitimieren durchaus vernünftige Gründe meinen inneren Schweinehund, meine Versagungsängste, meine chronische Zeitnot.                                                                                                                        Andere haben leicht reden, wie mein Kollege Tim. Er ist ein sportlich-dynamischer Single, top in Form. Statt wie früher dreimal in der Woche ins Fitnessstudio zu rennen, macht er jetzt mit einer Freundin Fitnessrudern. Ganz begeistert erzählt er davon, seine Sportart und eine tolle Truppe gefunden zu haben, schwärmt vom Training, Auspowern, etc… Er meint, es gäbe ja auch Freizeitrudern… für Leute wie mich und meine Familie… Also soll ich´s doch versuchen?
Kurz und gut, ich habe es getan! Ich machte mich auf die Suche im Internet und blieb bei einem interessanten Kursangebot hängen: Vielseitiges, funktionelles Vorbereitungstraining in der Halle –Schritt für Schritt die Grundtechniken des Ruderns erlernen –, und man kann mitmachen egal ob man jung oder älter ist, schon länger keinen Sport gemacht(!) oder gut trainiert ist. Die einzige Voraussetzung, die man mitbringen müsse, sei die Lust und der Spaß am Rudern-Lernen. Nach so vielen sportlosen Jahren hörte sich das sehr gut für mich an!
Ich buchte den Kurs und machte mit. Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Die Gruppe war sehr gemischt. Wir untrainierte „Normalos“ wurden ebenso gefordert wie die sportlicheren Fitness-Typen. Jeder konnte mal hier, mal da punkten, denn Muskelpakete, das weiß ich jetzt ganz gewiss, braucht man zum Rudern nicht! Man kann sportlich trainieren, muss aber nicht. Mir persönlich hat es am meisten gefallen, dass ich wieder Vertrauen zu meiner Körper- und Bewegungsfähigkeit gewonnen habe und man langsam an das Rudern herangeführt wurde, dass ich mich in der Gruppe wohlfühlte und merkte, dass wir alle – mit all unseren Bedenken, Vorbehalten und/oder Einstiegsschwierigkeiten – im wahrsten Sinne des Wortes im selben Boot saßen.
Für mich war die Ruderausbildung eine Herausforderung! Es waren Tage dabei, wo ich alles hinschmeißen wollte und mir schwor nie wieder in ein Boot zu steigen, weil ich das Gefühl hatte, absolut unfähig zu sein, das Rudern jemals zu erlernen. Doch je sicherer ich die Rudertechnik beherrschte, mit dem Boot, mit Wind und Wellen umgehen konnte, desto mehr überwogen andere Faktoren, die das Rudern für mich wertvoll machen. Die Glücksgefühle zum Beispiel, wenn man vom Boot aus die Landschaft erlebt – unter sich das Wasser, über sich die Sonne –, wenn man eins wird mit der Natur, das Rudern immer leichter fällt, das Boot gut läuft, die Mannschaft stimmt. Es gibt diese unbeschreiblich starken Rudererlebnisse, jene göttlichen Augenblicke, in denen man sich vom Leben selbst umarmt fühlt und man die ganze Welt umarmen möchte, dankbar und demütig. Jede Alltagsbelastung, jeder Stress fällt völlig von einem ab, man ist nur da, im Hier und Jetzt…In diesen Augenblicken gibt es kein Innen und Außen, man wird von der ursprünglichen Einheit durchdrungen, man ist die Natur selbst.
Ja, ich bin dabei geblieben, das Rudern tut mir sehr gut und ist ein fester Bestandteil meines Lebens geworden. Was die Faszination des Ruderns ausmacht, muss jede/r für sich selbst herausfinden. Für mich ist Rudern weit mehr als nur eine sportliche Betätigung. Rudern ist ein Lebensgefühl, eine Lebensphilosophie, es ist meine Lebensschule geworden.
Jordina Gartenbach

Ruderkurse für Anfänger/innen
Ruder-Club Tegelort e.V. www.rctegelort-berlin.de
In Kooperation mit der VHS Pankow und der VHS Reinickendorf.
VHS Pankow, Pa3060-F
www.berlin.de/vhs-pankow
Kurstitel: Rudern und Funktionstraining
Kurstermin: 18.01.2016 – 23.04.2016, 24 UE
VHS Reinickendorf, Re3985-F
www.berlin.de/vhs-reinickendorf
Kurstitel: Fitness und Entspannung durch Rudern
Kurstermin: 21.01.2016 – 23.04.2016, 24 UE

Schreibe einen Kommentar

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.