Nostalgic-Art äußert sich im Streit um die Anlieferung zur Kanonenhalle

Backsteinbau der Kanonenhalle auf dem Borsig-Gelände in Berlin-Tegel
Nostalgic-Art hat seinen Firmensitz in der denkmalgeschützten Kanonenhalle auf dem Borsig-Gelände in Tegel. Bild: © Nostalgic-Art

In einem offenen Brief an Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner (CDU) weist Geschäftsführer Teja Engel öffentliche Aussagen des Bezirksamts als nachweislich unzutreffend zurück. Anlass ist die Pressemitteilung Nr. 2821 des Bezirksamts vom 31. August 2026. 

Nostalgic-Art verweist auf einen Widerspruch: In der Dorfzeitung vom 18. August 2026 habe ein Sprecher des Bezirksamts erklärt, man stehe in regelmäßigem Kontakt mit dem Unternehmen, nach dem gemeinsamen Gespräch habe es einen weiteren Austausch und eine erste Annäherung gegeben. In der Mitteilung vom 31. August 2026 habe das Bezirksamt hingegen erklärt, Nostalgic-Art habe keine der vorgeschlagenen Lösungen akzeptiert und sich anschließend nicht mehr zurückgemeldet.

„Zwei grundlegend unterschiedliche Darstellungen aus Ihrem Hause in nur 13 Tagen, die einen klaren und vor allem verantwortungsvollen Umgang mit der Thematik und dem Erhalt von 50 Arbeitsplätzen vermissen lassen“, heißt es dazu in dem offenen Brief.

Eine mögliche Anpassung der Planung sei von der German University in Cairo (GUC) bislang nur in Aussicht gestellt worden, schreibt das Unternehmen weiter. Konkrete und prüffähige Unterlagen habe Nostalgic-Art trotz Nachfrage bis heute nicht erhalten. Die für den Geschäftsbetrieb regelmäßig benötigten Lieferfahrzeuge würden nicht ausreichend berücksichtigt, eine tragfähige Sicherung der notwendigen Rangierfläche liege weiterhin nicht vor. Das Unternehmen habe die Bürgermeisterin und ihr Büro im Mai schriftlich über den offenen Sachstand informiert, eine Antwort sei nicht erfolgt.

Nostalgic-Art erklärt sich weiter an einer sachlichen und tragfähigen Lösung interessiert. „Für die weitere Behandlung des Vorgangs sehen wir einer neuen Qualität der Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt entgegen: transparent, verbindlich und tatsächlich lösungsorientiert“, schließt der Brief.

Blick in die Kanonenhalle. Nostalgic-Art produziert historische Reklameschilder und ist damit zum Marktführer in seiner Branche geworden. Bild: © Nostalgic-Art

So schildert das Bezirksamt den Fall

Das Bezirksamt hatte in seiner Mitteilung vom 31. August 2026 die Kritik der SPD zurückgewiesen, im Konflikt zwischen Nostalgic-Art und der GUC einseitig zu handeln. Das Unternehmen habe sein Betriebsgrundstück 2007 erworben und nutze seitdem benachbarte, nicht in seinem Eigentum stehende Flächen für die Anlieferung, so das Bezirksamt Mit dem Erwerb der Nachbargrundstücke durch die GUC und der geplanten Entwicklung eines Universitätscampus sei deutlich geworden, dass die gewohnte Anlieferpraxis so nicht fortgeführt werden könne. Insbesondere das Rangieren und Abstellen eines 18 Meter langen Sattelschleppers quer zur Fahrbahn werde zu einer nicht weiter hinnehmbaren Blockierung der Erschließungsstraße führen.

Ein Verkehrsgutachten habe alternative Anlieferungsmöglichkeiten aufgezeigt, die mehrfach mit dem Geschäftsführer erörtert worden seien, so das Bezirksamt. Die Bürgermeisterin habe die betroffenen Grundstückseigentümer in zwei Terminen an einen Tisch gebracht. Die GUC habe sich ohne rechtliche Verpflichtung bereit erklärt zu prüfen, ob das geplante Gebäude in den unteren Geschossen teilweise eingerückt werden könne, um eine Anlieferung mit einem bis zu 12 Meter langen Sattelschlepper zu ermöglichen. Eine Rückmeldung zu diesem Vorschlag sei bis zum Tag der Mitteilung nicht erfolgt.

„Ich ging zuletzt davon aus, dass wir in der Sache auf einem guten Weg sind. Umso bedauerlicher ist es, dass offenbar eher übereinander als miteinander gesprochen wird“, wird Demirbüken-Wegner darin zitiert. Das Bezirksamt betont, dass es keine Bevorzugung einzelner Unternehmen am Wirtschaftsstandort Reinickendorf gebe, und weist darauf hin, dass die Bürgermeisterin bisher nicht in das Bebauungsplanverfahren eingebunden gewesen sei.

FDP-Fraktion stellt sich hinter das Unternehmen

Auch die FDP-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung widerspricht der Darstellung des Bezirksamts. Der Erhalt des Unternehmensstandorts müsse ein klares politisches Ziel sein, offene Fragen zu Erschließung, Rangierflächen und Schwerlastanlieferung müssten verbindlich geklärt sein, bevor die Erweiterungspläne der GUC weiter vorangetrieben werden.

„Das Bezirksamt darf die Interessen eines gewachsenen Reinickendorfer Unternehmens nicht den Erweiterungsplänen der GUC unterordnen. Wir stehen an der Seite von Nostalgic Art und erwarten eine dauerhafte und rechtssichere Sicherung des Standorts“, erklärt Fraktionsvorsitzender David Jahn.

Die Fraktion kritisiert zudem die Informationspolitik des Bezirksamts: Die Beantwortungsfrist für zwei Kleine Anfragen der FDP zu dem Vorgang sei am 18. August abgelaufen, erst am 21. August habe die Bürgermeisterin angekündigt, nicht rechtzeitig antworten zu können, ohne eine neue Frist zu setzen. „Es ist nicht hinnehmbar, dass parlamentarische Fragen zu einem politisch hoch brisanten Vorgang nicht fristgerecht beantwortet werden“, merkt Jahn an.

DZ

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