Wildschweine auf dem Friedhof Heiligensee: Bezirksamt berät mit Stadtjäger

Rasenfläche zwischen Sträuchern auf einem Friedhof, auf der zahlreiche Erdschollen herausgerissen und umgewühlt sind.
Wildschweine haben die Rasenfläche in Abteilung 26 des Friedhofs Heiligensee aufgewühlt. Der Bereich liegt am Rand des Geländes neben dem Neubauvorhaben einer Kita. Bild: © Mario Fiolka

Seit April lebt nach Angaben von Anwohnern eine komplette Wildschweinfamilie auf dem städtischen Friedhof Heiligensee an der Sandhauser Straße: ein Eber, eine Bache und mindestens vier Frischlinge. Das Bezirksamt Reinickendorf bestätigt auf Anfrage der Dorfzeitung, dass die Situation bekannt ist, und steht mit dem zuständigen Stadtjäger im Austausch.

Die Tiere wühlen auf der Suche nach Nahrung Gräber und Wege auf. Dies störe die Totenruhe und führe zu wirtschaftlichen Schäden für die Grabstellenbenutzer. Die aufgewühlten Wege bergen zudem eine Sturzgefahr für die meist älteren Friedhofsbesucher. Friedhofsverwaltung, Grabpfleger und Nutzer kämen mit der Instandsetzung kaum noch hinterher. Auch Anwohner und Nutzer klagten zunehmend über die belastende Situation, ihre Beschwerden an das Bezirksamt seien bislang ohne Erfolg geblieben, berichtet der SPD-Politiker Samuel Märkt der Dorfzeitung.

Märkt fordert Abhilfe im Einklang mit dem Tierschutz

Märkt fordert schnellstmögliche Abhilfe: „Im Einklang mit dem Tierschutz müssen Wege gefunden werden, die Wildschweine vom Friedhofsgelände zu vertreiben und eine angemessene Totenruhe sicherzustellen. Dafür stünden neben einem besseren Schutz des Geländes auch jagdrechtliche Maßnahmen zur Verfügung, die angesichts der gegebenen Umstände erwogen werden müssten.“ Wichtig ist Märkt auch, „dass die Anwohner und Nutzer mit den Schäden nicht alleine gelassen werden, sondern die notwendige Unterstützung bei der Wiederherstellung der Gräber erhalten.“

Beschädigter Zaun als vermutliche Ursache

Wie die Wildschweine auf das Gelände gekommen sind, erklärt das Bezirksamt mit dem Zustand der Einfriedung: Vermutlich sind die Tiere durch Beschädigungen im Zaun auf den Friedhof gelangt, die nach den heftigen Stürmen im vergangenen Jahr entstanden sind. Um wie viele Tiere es sich genau handelt, ist im Bezirk nicht bekannt.

Das Straßen- und Grünflächenamt bestätigt jedoch, dass es eine Reihe von Beschwerden über das Verhalten der Wildschweine erhalten hat. Eine belastbare Gesamtzahl der Schäden an Grabstellen und Wegen lasse sich derzeit allerdings nicht angeben, weil fortlaufend neue Schäden entstehen und sich nicht in jedem Einzelfall eindeutig feststellen lasse, wann und wodurch sie verursacht wurden. Verletzungen von Friedhofsbesuchern durch die beschädigten Wege sind dem Bezirksamt hingegen bisher nicht bekannt.

Auch den Randstreifen entlang eines Weges in Abteilung 26 haben die Wildschweine umgegraben. Bild: © Mario Fiolka

Stadtjäger soll den Bestand verringern

Mit dem Stadtjäger erörtert das Bezirksamt nach eigenen Angaben unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten und der rechtlichen Rahmenbedingungen, wie sich der Wildschweinbestand im Umfeld des Friedhofs verringern lässt. Zugleich schränkt ein Sprecher von Bezirksstadtrat Sebastian Pieper ein: „Eine vollständige Verhinderung des Eindringens von Wildschweinen ist aufgrund der Lage des Friedhofs und der angrenzenden Waldflächen jedoch nur eingeschränkt möglich.“

Kein Anspruch auf Schadenersatz

Wer ein von Wildschweinen beschädigtes Grab wieder herrichten muss, hat keinen Anspruch auf eine Kostenübernahme durch die Friedhofsverwaltung. Im Einzelfall könne das Bezirksamt jedoch im Rahmen seiner Möglichkeiten bei der Wiederherstellung privater Grabstellen unterstützen, sagte der Sprecher gegenüber der Dorfzeitung zu.

DZ

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