Vorschlag: Die Greenwichpromenade soll zur Gesundheitspromenade werden

Blühende Tulpenbeete am Ufer des Tegeler Hafens, dahinter die Greenwichpromenade mit Bänken, Spaziergängern und Ausflugsschiffen am Anleger.
Die Greenwichpromenade in Tegel soll zur Gesundheitspromenade werden und eine BVG-Fähre erhalten, schlägt die Partei Volt vor. Bild: © DZ

Der Tegeler Hafen verliert seit Jahren an Attraktivität, zum Nachteil der Menschen im Kiez und der Gewerbetreibenden. Für Volt ist diese Entwicklung kein Grund zur Resignation, sondern eine Chance.

Der Schiffsverkehr geht zurück, Flächen wirken zunehmend ungenutzt, die Aufenthaltsqualität sinkt. Volt Reinickendorf legt dazu ein eigenes Konzept vor: Aus dem bestehenden Promenadenraum soll eine „Gesundheitspromenade“ werden, ein Ort, der Bewegung, Prävention, Information und Begegnung für alle Generationen mit einem Kulturprogramm am Wasser verbindet. Ziel ist es, den Hafen dauerhaft zu beleben, ohne ihn touristisch zu überformen.

„Es geht bewusst nicht um eine Neuerschließung oder irgendwelche Luftschlösser, die andere Parteien vorschlagen, sondern um die gezielte Aufwertung des vorhandenen Promenadenraums als Ort, den Menschen regelmäßig im Alltag nutzen.“, sagt Sascha Hellwig, der im Wahlkreis für das Berliner Abgeordnetenhaus kandidiert.

Die Eckpunkte des Konzepts

  • Niedrigschwellige Bewegungsangebote mit eigens ausgewiesenen Sturzpräventions-Stationen für ältere Menschen sowie Flächen für Zumba, Tai-Chi u.a.
  • Info-Stelen und regelmäßige Gesundheitstage in Kooperation mit hausärztlichen Praxen, Apotheken und Pflegediensten,
  • Begegnungsflächen wie Schach und Boule sowie ein Kulturprogramm am Wasser für alle Generationen,
  • eine neue BVG-Fähranbindung mit Fahrradparkhaus und Repair-Café, die den Hafen auch für Berufspendler*innen attraktiv macht und Arbeitsplätze schafft.
  • eine mögliche Einbindung des benachbarten Strandbads Tegelsee für ergänzende Freizeit-, Kultur- und Integrationsangebote neben der Gesundheitspromenade.

„Volt erarbeitet zukunftsorientierte Lösungen, die den Alltag der Menschen positiv beeinflussen, und schlägt pragmatische Maßnahmen vor. Deswegen bauen wir auf dem Status quo auf, denken gesundheitspolitisch weiter, setzen vor allem aber mit der Fähre einen zusätzlichen Impuls und haben mit dem Strandbad ein weiträumigeres Angebot im Blick.“, ergänzt Hellwig.

Bewegungsparcours und Sturzprävention am Ufer

Die ausführliche Projektvorstellung nennt einen niedrigschwelligen Bewegungsparcours entlang der Promenade mit Stationen für Gleichgewicht, Kraft und Beweglichkeit sowie seniorengerechte Outdoor-Fitnessgeräte. Eigene Sturzpräventions-Stationen mit Balance-Balken, Haltegriffen und ebenen Übungsflächen sollen als sichtbarer Programmpunkt hinzukommen, da Sturzprävention das zentrale geriatrische Präventionsthema ist. Für Zumba, Tai-Chi oder Gymnastik ist ein schattiger Platz mit ebenem Belag vorgesehen, dazu feste Bewegungstermine mit Übungsleitung in Kooperation mit lokalen Sportvereinen und der Volkshochschule Reinickendorf sowie ein ausgeschilderter Nordic-Walking-Rundweg.

Informieren sollen Info-Stelen entlang der Promenade, etwa zu Sturzprävention, Ernährung im Alter sowie Bewegung und Blutdruck, mit großem Kontrast und großer Schrift. Bei regelmäßigen Gesundheitstagen am Hafen sollen Pflegedienste oder Apotheken mobil Blutdruck und Blutzucker messen, in Kooperation mit hausärztlichen Praxen aus dem Umfeld. „Bank-Gespräche“ mit ehrenamtlichen Gesundheitslotsen zu festen Terminen sollen zugleich Einsamkeit als Gesundheitsrisiko adressieren.

Für die Aufenthaltsqualität sieht das Konzept Spielflächen wie Schachbrett und Boule vor, Sitzgruppen mit Tischen für Kartenspiele, Trinkwasserbrunnen und barrierefreie öffentliche Toiletten sowie Beschattung und Windschutz an der Wasserseite. Kulturhistorische Bootsspaziergänge, Lesungen, Musik oder Kleinkunst sollen an ausgewählten Terminen an die bestehende Nutzung anknüpfen, statt sie zu verdrängen.

Eine BVG-Fähre für den Alltag

Den Rückgang von Schiffsverkehr und Binnentourismus nimmt Volt zum Anlass, Mobilität auf dem Wasser neu zu organisieren. Vorgeschlagen wird eine reguläre BVG-Fährverbindung, die den Tegeler Hafen in den ÖPNV-Takt einbindet und die Promenade an angrenzende Uferabschnitte anschließt, als alltagstaugliches Verkehrsmittel für Anwohnerinnen und Anwohner und nicht nur als Ausflugsangebot.

Damit die Fähre auch für Pendlerinnen und Pendler eine echte Verkehrsoption wird, schlägt Volt zwei ergänzende Bausteine direkt am Hafen vor: ein überdachtes, videoüberwachtes Fahrradparkhaus am Anleger und ein Repair-Café. Beides soll gewerblich betrieben werden, statt es dem Bezirk als Unterhaltslast aufzubürden, denkbar etwa durch einen ansässigen Fahrradbetrieb oder testweise als Integrations- oder Inklusionsbetrieb, der Geflüchteten und Menschen mit Behinderung ein Beschäftigungsverhältnis bietet. Das Repair-Café könnte an die Ausbildung zum Zweiradmechatroniker beziehungsweise zur Zweiradmechatronikerin angebunden werden und damit zugleich als Ausbildungs- oder Praktikumsplatz dienen.

Mögliche Einbindung des Strandbads Tegelsee

Das Strandbad Tegelsee am Westufer stand nach dem Rückzug der Berliner Bäderbetriebe vier Jahre leer. Seit dem 1. Oktober 2020 ist der Verein „Neue Nachbarschaft Moabit“ Gesellschafterin des Geländes, eine mehrfach ausgezeichnete Nachbarschaftsinitiative mit Schwerpunkt auf Integrationsarbeit; geführt wird auch das Strandbad durch eine gemeinnützige GmbH. Volt sieht mehrere Anknüpfungspunkte: eine Solarfähre, die bereits erste Fahrten mit Gästen durchgeführt hat und an die Idee kulturhistorischer Bootsspaziergänge andocken könnte, die Schachturniere, die im Sommer 2026 im Strandbad stattfinden, sowie eine von Künstlerinnen, Künstlern und angehenden pädagogischen Fachkräften durchgeführte Sommerschule für Kinder mit Fluchthintergrund.

Getrennt davon unterstützt Volt die Forderung nach einer besseren Busanbindung des Bades. Bislang gibt es nur einen saisonalen Bus der Linie 222 während der Sommerferien; die aktuelle Geschäftsführung wünscht sich einen Takt von mindestens 30 Minuten sowie eine Ausweitung von Mai bis September.

Warum Volt kein Riesenrad an der Promenade möchte

Anders als der in der Presse präsentierte Vorschlag, ein Riesenrad an der Promenade aufzustellen, setzt Volt auf eine dauerhafte, alltagstaugliche Lösung mit klar benennbaren Förderwegen wie § 20a SGB V und dem GKV-Bündnis für Gesundheit. Die Gesundheitspromenade richte sich primär an im Kiez lebende Seniorinnen und Senioren sowie an Familien und Berufstätige, ein Riesenrad sei dagegen auf punktuelle touristische Nachfrage ausgelegt. Die Promenade solle ihren ruhigen, erholsamen Charakter behalten; eine große technische Attraktion verändere Maßstab und Atmosphäre des Ufers grundlegend.

Auch bei Nachhaltigkeit und Machbarkeit sieht Volt Unterschiede: Wege, Bänke, Parcours und Stelen seien robuste Infrastruktur mit langer Nutzungsdauer und geringem Unterhaltsaufwand, ein Riesenrad dagegen eine saisonale, wartungsintensive Einzelinvestition, die hohe private Investitionen in Anschaffung, Betrieb, Wartung und Genehmigung erfordere.

Europäischer Blick und Beteiligung vor Ort

Reinickendorf ist einer von elf Berliner Bezirken im Gesunde Städte-Netzwerk Deutschland (GSN) und kann darüber auf einen etablierten Erfahrungsaustausch zurückgreifen. Für Volt ist das Konzept zugleich Ausdruck eines europäischen Politikverständnisses.

„Als Teil einer europäischen Bewegung bringen wir international erprobtes Wissen zu gesundem Altern nach Reinickendorf“, sagt Sophia Schlette, Gesundheitsexpertin und Volt-Kandidatin für die BVV Reinickendorf mit dem Themenschwerpunkt „Gesundheit und Pflege im Kiez“, und verweist auf die Partnerstädte Antony und Greenwich. „Passend dazu wird die Ottawa-Charta der WHO in diesem Jahr 40, mitten in der UN-Dekade des gesunden Alterns: Genau dieser europäische Blick unterscheidet uns von anderen Parteien.“

Best Practice:

Antony (Frankreich) betreibt mit der „Maison des Ans Toniques“ ein eigenes Seniorenzentrum mit Bewegungs- und Präventionsangeboten – von Nordic Walking bis Gedächtnistraining – sowie eine kommunale Gesundheitsvorsorge („Ma commune, Ma santé“).

Greenwich (Vereinigtes Königreich) verfolgt mit seiner „Health and Wellbeing Strategy“ einen ähnlichen, ressortübergreifenden Ansatz. Beide Städte zeigen, wie kommunale Gesundheitsförderung im Alltag verankert werden kann – ein naheliegender Anknüpfungspunkt für die Gesundheitspromenade.

Die konkrete Ausgestaltung der Gesundheitspromenade soll nicht am Schreibtisch entschieden werden, sondern gemeinsam mit denjenigen, die den Ort heute schon nutzen und künftig nutzen sollen. Eingebunden werden sollen insbesondere die Seniorenvertretung und gegebenenfalls der Landesseniorenbeirat, der örtliche Pflegestützpunkt sowie die im Kiez ansässigen Vereine, dazu alle interessierten Bürgerinnen und Bürger aus Alt-Tegel, Tegel-Süd, Tegelort und Konradshöhe. Beginnen soll der Prozess mit gemeinsamen Begehungen der Promenade, danach folgen eine Ideenwerkstatt in Präsenz am Hafen und eine Priorisierung der gesammelten Ideen. Auf dieser Grundlage will Volt zusammen mit dem Bezirksamt, insbesondere dem Grünflächen- und dem Gesundheitsamt, die Umsetzungsplanung entwickeln und Förderanträge vorbereiten.

Volt Reinickendorf möchte das Konzept mit den verschiedenen Vertretern der Gesundheitsbranche, der Seniorenvertretung, Vereinen und Bürger*innen vor Ort weiterentwickeln und in die Bezirkspolitik einbringen.

Sascha Hellwig
Volt Team Reinickendorf

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