Roedernallee: Wegen Sanierung sollen Mieter dauerhaft ausziehen

Mehrgeschossiges helles Wohngebäude mit gestaffelter Fassade an der Roedernallee in Wittenau
Das Wohngebäude der HOWOGE an der Roedernallee 165–168 in Wittenau soll ab 2027 grundlegend saniert werden. Bild: © Felix Schönebeck

Rohrbrüche, Wasserschäden, ausgefallene Heizungen: Das Wohngebäude der HOWOGE an der Roedernallee 165–168 in Wittenau soll wegen einer langen Mängelliste ab 2027 grundlegend saniert werden. Für die Mieterinnen und Mieter bedeutet das mehr als eine Zeit lang Lärm und Dreck.

Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft hat sich nach eigenen Angaben zu einer grundhaften Sanierung des gesamten Gebäudes entschlossen, um „langfristig wieder stabile und zeitgemäße Wohnverhältnisse zu schaffen“. So steht es in einer Information, die an die Mieterinnen und Mieter verschickt wurde. Beginnen könnten die Arbeiten ab dem Frühjahr 2027.

Die Sanierung gehe „weit über eine Modernisierung einzelner Gebäudeteile hinaus“, teilt eine HOWOGE-Sprecherin mit. Fassaden und Fenster werden erneuert, die Wasser- und Heizungsleitungen modernisiert, vorhandene Schadstoffe fachgerecht beseitigt und das Gebäude energetisch ertüchtigt. Vor allem aber werden die Wohnungsgrundrisse neu geordnet. „Die Wohnungen werden nach Abschluss der Maßnahme daher nicht mehr in ihrer heutigen Form bestehen können“, argumentiert die Sprecherin. Vor diesem Hintergrund könne die Sanierung auch nicht im bewohnten Zustand erfolgen.

174 Wohnungen sind betroffen, 126 davon sind noch bewohnt

Bei aufwendigen Sanierungen ist ein vorübergehender Umzug in eine Umsetzwohnung üblich. In der Roedernallee sollen die Mieter wegen der veränderten Grundrisse jedoch dauerhaft in andere Wohnungen ziehen. Eine Rückkehr in die bisherige Wohnung sei damit aus Sicht der HOWOGE ausgeschlossen.

Auf Anfrage der Dorfzeitung hat die HOWOGE Zahlen genannt: Der Gebäudekomplex umfasst 174 Wohnungen, 42 stehen bereits leer, sechs weitere Mietverhältnisse enden nach derzeitigem Stand zum 31. August 2026. Bewohnt sind damit noch 126 Wohnungen. Es handele sich dabei ausschließlich um Einraumwohnungen. In Medienberichten äußerten sich auch Eltern, die mit ihren Kindern in von den Sanierungsplänen betroffenen Wohnungen leben. 

Nach Darstellung von betroffenen Mietern kam im Beratungsgespräch mit der HOWOGE heraus, dass sich die angebotenen Ersatzwohnungen nicht in Wittenau oder in der Umgebung befinden, sondern in weit entfernten Bezirken wie Lichtenberg, Hellersdorf oder Spandau. 

Die Ersatzwohnungen liegen in weit entfernten Stadtteilen

Die HOWOGE stellt es anders dar. Freiwerdende Wohnungen in Reinickendorf sowie in angrenzenden Lagen wie Wedding und Moabit würden gezielt für die betroffenen Haushalte vorgemerkt, erklärt die Sprecherin gegenüber der Dorfzeitung. Ergänzend stünden weitere Angebote zur Verfügung, unter anderem im Haveluferquartier in Spandau, die von einigen Mieterinnen und Mietern bereits genutzt worden seien. Ziel sei es, „soziale Härten zu vermeiden und möglichst wohnortnahe Perspektiven anzubieten“.

Die Umzüge begleite die Gesellschaft organisatorisch und finanziell: Sie übernehme die Umzugskosten und unterstütze bei der Herrichtung der Ersatzwohnungen. Für Mieterinnen und Mieter, die nach Abschluss der Bauarbeiten an den Standort zurückkehren möchten, würden zusätzlich Lösungen entwickelt. Die HOWOGE wolle auch Gespräche mit benachbarten Eigentümern führen, um dort Ersatzwohnungen anmieten zu können. 

Bezirksverordneter spricht von Zwangsumzug

Zahlreiche betroffene Mieter wandten sich an den Reinickendorfer Bezirksverordneten und Direktkandidaten für das Berliner Abgeordnetenhaus, Felix Schönebeck (CDU). Er hält die Pläne der Wohnungsbaugesellschaft für unzumutbar:

„Ich halte dieses Vorgehen für völlig inakzeptabel. Es darf nicht sein, dass Menschen wegen einer Sanierung dauerhaft aus ihren Wohnungen und aus ihrem vertrauten Wohnumfeld verdrängt werden sollen. Es geht uns nicht darum, notwendige Sanierungen zu verhindern, sondern darum, dass die Rechte der Mieter gewahrt bleiben. Ein ‚Zwangsumzug‘ von Reinickendorf nach Lichtenberg oder Hellersdorf ist vor allem für ältere und kranke Menschen, aber auch für Familien mit Kindern keine Option!“

Schönebeck fordert, dass die HOWOGE eine Rückkehr in die bisherige oder in eine vergleichbare Wohnung ermöglicht, zumindest aber in die angestammte Wohngegend. Dabei seien besonders auch die persönlichen und familiären Lebensumstände zu berücksichtigen. Bis die Sanierung ansteht, bleibt noch etwas Zeit; die Nervosität der Mieter steigt nach seiner Darstellung aber bereits jetzt von Tag zu Tag.

DZ

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