
Zum fünften Mal in Folge engagierten sich Jugendliche aus aller Welt in einem Workcamp für den Gedenkort „Alter Anstaltsfriedhof“. In den vergangenen zwei Wochen arbeiteten 17 junge Menschen daran, den Gedenkort auf dem Gelände der früheren Wittenauer Heilstätten zu pflegen.
Heute gehört das Gelände zur psychiatrischen Institutsambulanz des Vivantes Klinikums. Ziel der Arbeit ist es, die Sichtbarkeit des Ortes zu erhalten und so die Opfer des NS-Regimes zu ehren, die dort begraben sind. Veranstaltet wurde das Workcamp erneut vom Ökumenischen Jugenddienst (ÖJD).
Über 4600 Todesopfer in den Wittenauer Heilstätten
In der Zeit des Nationalsozialismus kamen zwischen 1939 und 1945 nach Schätzungen über 4600 Patienten in den Wittenauer Heilstätten ums Leben. Zwischen 500 und 1500 menschliche Überreste befinden sich auf dem alten Friedhofsgelände. Mehr als 500 Tote konnten dank des Freundeskreises „Gedenkort Alter Anstaltsfriedhof“ bereits namentlich identifiziert werden. Unter den Opfern waren auch viele Kinder, die zwischen 1941 und 1945 in der Städtischen Kinder-Nervenklinik untergebracht waren.
Jugendstadtrat dankt den Freiwilligen
Jugendstadtrat Alexander Ewers (SPD) lud ins Rathaus ein und würdigte das unermüdliche Engagement der Freiwilligen, die die Geschichte der Opfer im öffentlichen Bewusstsein halten: „Leider ist es gerade in der heutigen Zeit, in der eine gewisse Geschichtsvergessenheit einsetzt, wichtiger denn je, daran zu erinnern, zu was Menschen fähig sind. Vor allem wenn sie eine politische Legitimation erhalten, andere Menschen abzuwerten und als minderwertig zu betrachten. Mein Dank gilt daher den freiwilligen jungen Menschen, dem ÖJD und dem Freundeskreis ‚Gedenkort Alter Anstaltsfriedhof‘.“
Grundmauern eines alten Friedhofshauses freigelegt
Seit 2014 bemüht sich der „Freundeskreis Gedenkort Alter Anstaltsfriedhof“ der ehemaligen Wittenauer Heilstätten darum, den Friedhof und seine Geschichte im Bezirk Reinickendorf, in der Stadt Berlin und darüber hinaus bekannter zu machen. Durch den freiwilligen Einsatz der Jugendlichen, die aus Afghanistan, Ägypten, Brasilien, Deutschland, Frankreich, Iran und Spanien kamen, konnten in diesem Jahr unter anderem die Grundmauern eines alten Friedhofshauses freigelegt werden. Zudem wurde eine Sitzecke gesäubert und von Pflanzen befreit. Eine provisorische Beschilderung weist auf die Opfer und Jahreszahlen hin. Seit 1994 befindet sich eine Gedenktafel am Eingang zum Gelände.
Bezirksamt Reinickendorf