
Am Ortsausgang von Glienicke/Nordbahn begann am Donnerstag, 13. August 2026, ein Spaziergang, der genau dort entlangführte, wo bis 1989 die Mauer stand. Am Ziel reichten sich zwei Männer die Hand, die ihre Gemeinden wieder zusammenbringen wollen.
Anlass war der 65. Jahrestag des Mauerbaus. Bürgerinnen und Bürger aus Glienicke/Nordbahn und aus dem Hermsdorfer Waldseeviertel gingen gemeinsam über die neu gebaute Schildower Straße. Start war um 17:45 Uhr am Ortsausgang an der Alten Schildower Straße in Glienicke, Ziel gegen 19:00 Uhr der Kinderspielplatz am Waldsee am Marthagraben.
Erinnerung an den 13. August 1961
Am 13. August 1961 wurde Berlin geteilt und vom Umland getrennt, wie die Initiative Offene Nachbarschaft in ihrer Mitteilung schreibt: nicht nur durch Beton und Stacheldraht, sondern durch Angst, Kontrolle und den Versuch, Freiheit aufzuhalten. Die Initiative erinnert an die Menschen, die getrennt wurden, an Familien, Freunde und Nachbarn, an jene, die ihre Heimat verloren, an jene, die flüchteten, und an jene, die dafür ihr Leben ließen.
Sie erinnert ebenso an den Mut derer, die nicht aufgehört hätten zu hoffen, die protestierten, schrieben und halfen, und an den Moment, als die Mauer fiel. Ihr Fazit: „Freiheit ist nie selbstverständlich.“
Gericht wies die Klage auf Sperrung ab
Der Spaziergang hat auch einen aktuellen Hintergrund. Es gab Vorhaben, zwei Verkehrsverbindungen zwischen dem Waldseeviertel und Glienicke/Nordbahn zu sperren. Das Berliner Verwaltungsgericht hat das im Juni 2026 abgelehnt. Der Leitsatz des Urteils, das nach Angaben der Initiative fünf Richter nach zweijähriger Verhandlungszeit sprachen, lautet: „Die Anwohner haben keinen Anspruch auf Teileinziehung (Sperrung) einer öffentlichen Straße zum Zwecke der Verkehrsberuhigung.“ Das Gericht wies die Klage vollständig ab und entschied zudem: „Die Berufung ist nicht zuzulassen!“
Wie läuft es auf der neuen Straße?
Bei dem Spaziergang ging es den Beteiligten auch um eine praktische Frage: Können Fußgängerinnen und Fußgänger, Rad- und Autofahrende die Verbindungsachse in beide Richtungen gut nutzen? Dazu wollten die Glienicker Erfahrungen mit den Anwohnerinnen und Anwohnern des Waldseeviertels austauschen. Bernd Pickel von der Initiative Offene Nachbarschaft hatte zugesagt, den Spaziergang zu begleiten, und weitere Anwohner aus dem Waldseeviertel eingeladen.
65 Jahre nach dem Mauerbau sei Berlin wieder mit dem Umland zusammengewachsen, schreibt die Initiative. Ihr Schlusssatz: „Wir wollen offene Nachbarschaft!“
DZ