
Vier Tage internationaler Spitzen-Goalball im Füchse-Sportpark, zehn Mannschaften aus acht Nationen und am Ende ein neunter Platz für die Gastgeber: Für die Goalballer der Füchse Berlin ist das Final Stage der EGCA Champions League 2026 am Wochenende zu Ende gegangen. Auch wenn die Berliner sportlich den Einzug ins Viertelfinale verpassten, fällt das Fazit mit Blick auf das vor dem Turnier formulierte Entwicklungsziel positiv aus.
Vom 17. bis 20. September war Berlin Austragungsort des Finalturniers der zehn besten Vereine der diesjährigen Champions-League-Saison. Neben den jeweils drei besten Mannschaften der drei Qualifikationsturniere waren die Füchse als Gastgeber automatisch für das Final Stage qualifiziert. Die Berliner übernahmen zugleich die Hauptorganisation des Turniers im heimischen Füchse-Sportpark.
Schon vor Turnierbeginn war die Ausgangslage klar. Die EGCA bezeichnete die Füchse in ihrer offiziellen Vorschau als Herausforderer in einer äußerst stark besetzten Gruppe A und verwies darauf, dass der Berliner Kader neben Michael Dennis und Kali Holder vor allem aus jungen Spielern bestand, die erst am Beginn ihrer Entwicklung auf internationalem Niveau stehen. Mit Old Power, Cankaya, BRUK-BET Termalica Krakow und den Fen Tigers warteten entsprechend erfahrene Gegner.
Genau diese Ausgangslage war für die Füchse aber auch eine bewusste Entscheidung. Statt für das Heimturnier kurzfristig auf einen möglichst erfahrenen Kader zu setzen, sollte die Champions League insbesondere dazu genutzt werden, den eigenen Nachwuchs unter Wettkampfbedingungen gegen europäische Spitzenmannschaften weiterzuentwickeln.
Ein 16-Jähriger als Center
Eine besondere Rolle übernahm dabei Ahmad Habbasho. Der erst 16-Jährige bestritt den Großteil des Turniers als Center und damit auf einer der zentralen Positionen im Goalball. Als jüngster Stammspieler der Füchse erhielt er über mehrere Spiele hinweg Verantwortung gegen einige der erfahrensten Mannschaften Europas. Zum Berliner Aufgebot gehörten neben Habbasho Michael Dennis, Samira Jalilvand, Kali Holder, Robin Peter und Louis Schulz. Betreut wurde das Team von Head Coach Lars Naß und Patrick Schulz.
Eine weitere Besonderheit: Die Füchse Berlin waren das einzige Team des Männerwettbewerbs, das mit einer Frau im Spielerkader antrat. Samira Jalilvand gehörte zum sechsköpfigen Aufgebot der Gastgeber. Damit setzte der Verein auch bei der Zusammenstellung seines Teams ein besonderes Zeichen und gab einer Spielerin die Möglichkeit, sich auf höchstem europäischen Clubniveau mit der internationalen Konkurrenz zu messen. Die von der EGCA veröffentlichten Kaderlisten der zehn teilnehmenden Mannschaften bestätigen diese besondere Zusammensetzung des Berliner Teams.
Vier Gruppenniederlagen, dann der Sieg im Platzierungsspiel
Sportlich erwischten die Füchse den erwartet schwierigen Start. Zum Auftakt unterlagen die Berliner den Fen Tigers mit 7:17, anschließend folgte ein 2:12 gegen den späteren Bronzemedaillengewinner Old Power. Deutlich enger präsentierte sich das Team am zweiten Turniertag. Gegen den späteren Finalisten Cankaya hielten die Füchse lange dagegen und mussten sich mit 6:9 geschlagen geben. Auch beim 9:15 gegen BRUK-BET Termalica Krakow, das das Turnier später auf Rang vier beendete, gelangen den Berlinern neun Treffer.
Nach vier Niederlagen in der anspruchsvollen Gruppe A blieb den Füchsen der Einzug ins Viertelfinale verwehrt. Damit ging es im Platzierungsspiel gegen den portugiesischen Vertreter CA Cultural um die Plätze neun und zehn. Dort belohnte sich die Mannschaft schließlich für die Arbeit der vorherigen Tage: Die Füchse gingen mit einer 4:1-Führung in die Halbzeit und gewannen die Partie mit 4:2. Damit schlossen die Gastgeber ihre Champions-League-Saison mit einem Erfolgserlebnis und dem neunten Platz ab.
Gerade mit Blick auf die langfristige Entwicklung bewertet der Verein das Turnier deshalb nicht allein anhand der Platzierung. Für Spieler wie Ahmad Habbasho, Robin Peter und Louis Schulz bedeuteten die Begegnungen mit international erfahrenen Athleten und Mannschaften Spielpraxis auf einem Niveau, das im nationalen Trainings- und Ligabetrieb nur schwer zu reproduzieren ist.
„Natürlich hätten wir sportlich gerne das Viertelfinale erreicht. Gleichzeitig sind wir mit dem klaren Ziel in dieses Turnier gegangen, unseren jungen Spielern Verantwortung auf höchstem europäischen Clubniveau zu geben. Ahmad hat mit gerade einmal 16 Jahren einen Großteil unserer Spiele als Center bestritten. Diese Erfahrungen kann man in keinem Training simulieren. Wir haben während des Turniers gesehen, wie unsere jungen Spieler mit jeder Partie mehr Sicherheit gewonnen haben. Deshalb hat sich unser Ansatz, dieses Turnier konsequent zur Entwicklung zu nutzen, für uns absolut ausgezahlt.“
Dass die Aufgabe für den jungen Berliner Kader außergewöhnlich anspruchsvoll war, zeigt auch das Endklassement. Vier der vier Füchse-Gruppengegner landeten unter den besten fünf Mannschaften des Turniers: Cankaya wurde Zweiter, Old Power Dritter, BRUK-BET Termalica Krakow Vierter und die Fen Tigers belegten Rang fünf.
Den Champions-League-Titel sicherte sich schließlich RGC Hansa Rostock. Im Finale setzte sich Rostock gegen Cankaya durch. Old Power komplettierte als Drittplatzierter das Podium vor BRUK-BET Termalica Krakow. Damit endete das Finalturnier mit einem deutschen Champions-League-Sieger.
Die Füchse als Gastgeber
Neben dem sportlichen Fazit blicken die Füchse auch als Veranstalter auf intensive und erfolgreiche Tage zurück. Gemeinsam mit Hauptsponsor Blindenfreunde begrüßten die Füchse zehn Teams aus acht Ländern in Berlin und brachten damit erneut internationalen Spitzen-Goalball in die Hauptstadt. Die EGCA hatte die Füchse bereits im Vorfeld als erfahrenen Ausrichter hervorgehoben, der in den vergangenen Jahren regelmäßig internationale Goalball-Veranstaltungen organisiert hat.
Ein besonderer Dank der Füchse Berlin gilt allen Volunteers und Helferinnen und Helfern, die über mehrere Tage hinweg für einen reibungslosen Ablauf sorgten, den Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern sowie den Officials der EGCA, allen teilnehmenden Mannschaften und ihren Staff-Mitgliedern sowie den Partnern und Unterstützern des Turniers. Ohne ihren Einsatz wäre eine internationale Veranstaltung dieser Größenordnung nicht möglich gewesen.
Für die Füchse endet damit eine Champions League, bei der das Ergebnis auf der Abschlusstabelle nur ein Teil der Bilanz ist. Platz neun steht am Ende auf dem Papier. Für die langfristige Entwicklung der jungen Berliner Mannschaft waren die Spiele gegen Europas Topclubs jedoch ein wichtiger Schritt. Das Ziel, jungen Spielerinnen und Spielern früh Verantwortung auf internationalem Niveau zu übertragen, hat sich in Berlin ausgezahlt und soll auch künftig ein wichtiger Bestandteil der sportlichen Arbeit der Füchse Berlin bleiben.
Michael Dennis
Abteilungsleiter Goalball, Füchse Berlin Reinickendorf e. V.