
Die 21 „Blauen Augen“ gehören zum besonderen Charakter von Frohnau als Gartenstadt und sie erfüllen zugleich seit mehr als 100 Jahren eine wichtige Funktion für das Regenwassermanagement. Doch viele der Versickerungsteiche befinden sich inzwischen in einem beklagenswerten Zustand. Die FDP fordert deshalb, die Gewässer endlich zu ertüchtigen, nachhaltig zu reinigen und ökologisch aufzuwerten.
Schwammstadt seit mehr als 100 Jahren
Der Frohnauer FDP-Direktkandidat für das Abgeordnetenhaus und die Bezirksverordnetenversammlung von Reinickendorf, Prof. Dr. Wilfried Bernhardt, hat sich hierzu mit Fachleuten für naturnahe Gewässerreinigung und Renaturierung getroffen: Prof. Dr. Dr. Edgar Klose sowie Tatyana Karasyova und Kathleen Göbel vom Märkischen Institut für Technologie- und Innovationsförderung e. V. „Frohnau hat mit seinen ‚Blauen Augen‘ bereits vor über 100 Jahren ein Stück Schwammstadt vorweggenommen. Was heute als modernes Konzept der Regenwasserbewirtschaftung propagiert wird, funktioniert hier seit der Gründung der Gartenstadt“, erklärt Bernhardt. Die Versickerungsteiche nehmen Niederschlagswasser aus den umliegenden Straßen auf und ermöglichen, dass es vor Ort versickert, anstatt vollständig über die Kanalisation abgeführt zu werden. Gerade angesichts zunehmender Starkregenereignisse und längerer Trockenperioden gewinnt dieses dezentrale Regenwassermanagement an Bedeutung.
Reifenabrieb und Mineralöl belasten die Teiche
Die FDP-Fraktion in der BVV Reinickendorf hatte Anfang 2020 bereits eine Empfehlung zur Vergrößerung der „Blauen Augen“ eingebracht, bei der es um deren Ertüchtigung ging, die verhindern sollte, dass bei Starkregen Keller vollaufen und Schäden verursachen. Doch die „Blauen Augen“ müssen nicht nur ihre technische Funktion erfüllen. Naturnah gepflegt können sie zugleich wertvolle kleine Biotope sein und damit zur biologischen Vielfalt beitragen, und das besondere Erscheinungsbild der Gartenstadt Frohnau erhalten. Problematisch ist insbesondere die Belastung durch Schadstoffe aus dem Straßenverkehr. Mit dem Niederschlagswasser können unter anderem Reifenabrieb und Mineralölrückstände in die Teiche gelangen. Eine regelmäßige und fachgerechte Reinigung ist deshalb unverzichtbar.
„Wir dürfen die ‚Blauen Augen‘ nicht einfach sich selbst überlassen. Gleichzeitig sollten wir bei der Reinigung nicht mit schwerem Gerät Strukturen zerstören, die über Jahrzehnte entstanden sind. Innovative biologische Reinigungsverfahren müssen deshalb ernsthaft geprüft werden“, so Bernhardt. Im Gespräch mit den Fachleuten wurden insbesondere Möglichkeiten einer biologischen beziehungsweise mikrobiologischen Reinigung und einer naturnahen Aufwertung der Gewässer erörtert. Ziel muss es sein, die Funktionsfähigkeit der Versickerungsteiche zu erhalten, Schadstoffe zu reduzieren und gleichzeitig ihre ökologische Bedeutung zu stärken.
Appell an Bezirksamt und Wasserbetriebe
Die FDP fordert daher das CDU-geführte Bezirksamt und die Berliner Wasserbetriebe auf, die seit Jahren bestehenden Defizite bei Pflege und Reinigung der „Blauen Augen“ endlich anzugehen. Gemeinsam mit ausgewiesenen Fachleuten sollten geeignete Verfahren geprüft und zeitnah umgesetzt werden. „Die ‚Blauen Augen‘ sind kein lästiges Entwässerungsproblem, sondern ein Schatz unserer Gartenstadt. Wir sollten sie als Teil einer modernen, ökologischen und klimaangepassten Infrastruktur sowie als Schutz vor Starkregenereignissen begreifen und entsprechend pflegen“, betont Bernhardt.
David Jahn
Vorsitzender der FDP-Fraktion in der BVV Reinickendorf