Beinahe-Unfall vor Grundschule löst Verkehrssicherheits-Initiative in Frohnau aus

Ein Mann und eine Frau stehen am Geländer vor dem Eingang der Renée-Sintenis-Grundschule in Frohnau, daneben ein Halteverbotsschild
Matthias Mittelsten Scheid (links) und Andrea Fuhrken (rechts) tragen die Arbeitsgruppe „Verkehrssicherheit“ der Renée-Sintenis-Grundschule in Frohnau. Bild: © privat

Ein lauter Hupton verhinderte im vergangenen Winter einen schweren Unfall vor der Renée-Sintenis-Grundschule in Frohnau. Eine Mutter hatte im morgendlichen Stress ihr Auto entgegen der Fahrtrichtung im engen Kurvenradius der Kreuzung Laurinsteig / Gralsritterweg abgestellt und damit einem jungen Radfahrer die Sicht auf die Straße genommen. Hinter dem Kofferraum des Wagens hervor querte er die Fahrbahn und übersah dabei beinahe ein weiteres Fahrzeug. Nur durch beherztes Hupen ließ sich der Zusammenstoß in letzter Sekunde vermeiden.

Der Vorfall war der Auslöser für die Reaktivierung der Arbeitsgruppe (AG) „Verkehrssicherheit“ im Dezember 2025, die es an der Schule bereits einmal gegeben hatte. Denn das Problem war kein Einzelfall: In den engen 30er-Zonen rund um die Schule, auf denen zwei Fahrzeuge kaum nebeneinander Platz finden, sorgt der morgendliche Bring-Verkehr zwischen 7.30 und 8 Uhr regelmäßig für gefährliche Situationen. Autos kommen aus allen Richtungen. Ohne Einbahnstraßenregelung entsteht ein Durcheinander. Fahrzeuge weichen auf Gehwege aus. Es wird in Kurven und vor Zebrastreifen gehalten. Sogar Feuerwehrzufahrten werden zugeparkt. Die Begründung der Eltern ist dabei fast immer dieselbe: „Ich bin ja gleich wieder weg.“

Die AG wird heute von Andrea Fuhrken und Matthias Mittelsten Scheid getragen. Während Fuhrken die interne Abstimmung mit Elternvertretern und Schulleitung koordiniert, hält Mittelsten Scheid den Kontakt zu Bezirksamt, Ordnungsamt, örtlicher Polizei sowie ADAC und Verkehrswacht.

Eltern sichern morgens drei Gefahrenkreuzungen

Die Arbeitsgruppe verfolgte von Beginn an mehrere parallele Wege. Zum einen wurden Eltern gebeten, den unmittelbaren Schulbereich in Laurinsteig, Gralsritterweg und Gurnemanzpfad möglichst zu meiden und stattdessen die eingerichteten Kiss-and-Go-Zonen zu nutzen. Mittelsten Scheid sprach das Thema persönlich bei den Elternsprechtagen der ersten Klassen sowie am Tag der Einschulung vor versammelten Eltern an.

Zum anderen organisierte die AG seit dem 2. März 2026 eine Verkehrswacht: An drei Gefahrenkreuzungen, Münchener Straße / Laurinsteig, Gralsritterweg / Laurinsteig und Gurnemanzpfad, standen jeweils vier bis fünf Eltern pro Klasse in gut sichtbaren Warnwesten von 7.30 bis 8 Uhr bereit, um den Schulweg der Kinder sicherer zu machen. Der AG ist es ein besonderes Anliegen, sich bei allen beteiligten Eltern für ihre Zeit und ihr Engagement zu bedanken.

Halteverbote, Poller und neue Fußgängerüberwege

Parallel dazu wurde beim Bezirksamt ein umfassendes Maßnahmenpaket für die drei größten Gefahrenpunkte eingereicht: die Kreuzungen Laurinsteig / Gralsritterweg, Laurinsteig / Münchener Straße und den Bereich Gurnemanzpfad. Vorgesehen waren neue Halteverbotszonen, eine Verlängerung des Geländers an der Straßenkante vor dem Schuleingang, Poller zum Schutz der Gehwege, die Markierung von Kurvenradien sowie neue Fußgängerüberwege.

Ansprechpartner auf Bezirksseite war Sebastian Pieper (CDU), dem die AG für sein Verständnis und die zügige Bearbeitung ausdrücklich dankt. Die meisten baulichen Maßnahmen sind inzwischen umgesetzt. Lediglich die Markierung der neuen Überwege steht noch aus, da nach den Kanalarbeiten in der Münchener Straße zunächst die Fahrbahnsanierung abgeschlossen werden musste und die Ausführung durch den derzeitigen Mangel an verfügbaren Dienstleistern verzögert wird.

Für das Tempo der Umsetzung gab es auch von der Polizei ausdrückliches Lob. Olaf Klotzbücher von der Polizei erklärte: „Sie können stolz darauf sein, wie schnell Sie die Umsetzung dieser Maßnahmen geschafft haben.“ Auch Bezirksstadtrat Sebastian Pieper, zuständig für Ordnung, Umwelt und Verkehr, würdigte das Engagement: „Nochmals herzlichen Dank für Ihr großes Engagement für die Sicherheit der Kinder. Dieses gemeinsame Ziel steht für mich im Mittelpunkt.“

Die Bemühungen zeigen erste Wirkung. Insbesondere die Eltern der Erstklässler nahmen die Bitten der AG mit großem Verständnis und Dankbarkeit für das Engagement auf. Seit Schulbeginn im September hat sich der Verkehr direkt vor der Schule spürbar verringert, und die Kiss-and-Go-Zonen werden zunehmend angenommen. Als nächster Schritt sollen diese Zonen gemeinsam mit ADAC und Bezirksamt in offizielle Elternhaltestellen umgewandelt werden. Auch eine Klassen-Challenge mit Unterrichtsprojekten zum Thema Verkehrssicherheit, für die die AG-Mitglieder selbst Preisgelder für die Klassenkassen stiften, wurde der Schulleitung angeboten.

Aktionswoche „Zu Fuß zur Schule“ 

Aktuell schließt sich die Renée-Sintenis-Grundschule gemeinsam mit der Victor-Gollancz-Grundschule und der Evangelischen Schule Frohnau der bundesweiten Aktionswoche „Zu Fuß zur Schule“ an, die vom 21. September bis 2. Oktober läuft. Unterstützt wird die Kooperation der drei Frohnauer Schulen unter anderem von Julia Gotzoll, die sich seit vielen Jahren für die Verkehrssicherheit in Frohnau einsetzt. Ziel der Aktionswoche ist es, Eltern dazu zu bewegen, das Auto stehen zu lassen und Kinder zu Fuß oder mit dem Rad zur Schule kommen zu lassen.

Die Verkehrssituation ist an mehreren Stellen in Frohnau angespannt. Die AG „Verkehrssicherheit“ nutzt den Artikel daher auch, um über den Schulweg hinaus alle Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger in der Region um gegenseitige Rücksicht zu bitten.

Matthias Mittelsten Scheid
AG „Verkehrssicherheit“ der Renée-Sintenis-Grundschule Frohnau

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