Baumfällungen am Havelufer bringen Anwohner auf die Palme

Abgesägte Bäume am Ufer eines Flusses.
Abgesägte Baumstümpfe am Havelufer in Tegelort. Bild: © Baumretter Konradshöhe

Ende November 2025 wurden nach Angaben der Bürgerinitiative Baumretter Konradshöhe Tegelort am Havelufer 80 Bäume gefällt. Der Abschnitt ist ca. 400 Metern lang. Zudem sei ein ganzer Uferbereich abgetragen worden, mit fatalen Folgen für das Wasser, die Tierwelt und die Natur. Nach Angaben der Baumretter habe die Umweltverwaltung die Auswirkungen auf die Biotope nicht einmal geprüft, die Fällungen seien allein mit Gründen des Verkehrsschutzes gerechtfertigt worden. Diese sind zumeist dann einschlägig, wenn Bäume aufgrund eines schlechten Zustands einbruchgefährdet sind.

Die Bürgerinitiative organisierte Ende August eine Diskussionsveranstaltung mit den Politikern Felix Schönebeck (CDU), Samuel Märkt (SPD), Robert Irmscher (Die Linke) sowie Güneş Keskin (Grüne). SPD, Linke und Grüne forderten dabei mehr Transparenz vom Bezirk über die aktuellen und geplanten Baumfällungen. 

„Es ist schlicht unplausibel, warum alle 80 Bäume gleichzeitig in einem so schlechten Zustand gewesen sein sollen, dass die Fällung aller Bäume verhältnismäßig war“, sagt Keskin. Märkt forderte von den Umweltverwaltungen im Land und Bezirk „endlich Transparenz, aus welchen Gründen es zu den Fällungen gekommen ist und welche Erwägungen dieser Verwaltungsentscheidung zugrunde lagen“. Irmscher befürchtet, dass es nicht bei den bisherigen Fällungen bleibt: „Die Umweltverwaltung muss endlich Klarheit darüber schaffen, ob weitere Fällungen rund um den Tegeler See geplant sind“, so Irmscher.

Auf dem Podium der Baumretter-Diskussionsveranstaltung sitzen (v. l.) Felix Schönebeck (CDU), Güneş Keskin (Grüne), Samuel Märkt (SPD) und Robert Irmscher (Die Linke), hinter ihnen steht Pewesin von den Baumrettern. Bild: © SPD Reinickendorf

Nach Darstellung der drei priorisieren nicht nur das Bundesrecht, sondern auch das Berliner Naturschutzrecht und das Klimaanpassungsgesetz Umwelt- und Klimaschutz in jeder Verwaltungsentscheidung. Deshalb ist es laut Märkt „umso irritierender, dass der Umwelt- und Klimaschutz in aktuellen Entscheidungen keine Rolle gespielt zu haben scheint“. Die drei Politikerinnen und Politiker wollen die Konradshöher Baumretter bei der Aufklärung unterstützen. Über den Einzelfall hinaus gehe es darum, dass Bäume nicht leichtfertig gefällt werden, der Umweltschutz in der Verwaltung Vorrang hat und die Verwaltung ihre Entscheidungsgründe plausibel darlegt. Sie fordern außerdem, die Grünflächenämter personell und finanziell in die Lage zu versetzen, ihre Aufgaben ordnungsgemäß wahrzunehmen.

Senatsverwaltung: Ende 2025 wurden 34 Bäume gefällt

Verantwortlich für die Fällaktion ist die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt. Die Rodung sei demnach im Vorfeld von Sanierungsarbeiten am Ufer erforderlich gewesen. Auf Anfrage der Dorfzeitung nennt die Senatsverwaltung deutlich niedrigere Zahlen: Vom 24. November bis 5. Dezember 2025 wurden insgesamt 34 Bäume gefällt, zum Teil mehrstämmige. Sechs davon standen In den Schifferbergen 15–27 (Sandhauser Straße), 27 am Bärbelweg 1–13 und einer in der Friederikestraße.

Grund war der schlechte Zustand der Uferbefestigung

Die Senatsverwaltung bestätigte, dass die nicht mehr gegebene Verkehrssicherheit der Grund für die Maßnahme war. Ausschlaggebend dafür war allerdings nicht der Zustand der Bäume (Vitalität), sondern der schlechte Zustand der Uferbefestigung. Deren Standsicherheit und Gebrauchstauglichkeit wurde durch den Bewuchs geschädigt. Dies haben Bauwerksprüfer bei der jährlich stattfindenden Begehung festgestellt.

Die Fällungen seien von der Senatsverwaltung vorab dem Umwelt- und Naturschutzamt des Bezirksamts Reinickendorf angezeigt worden. Das Amt habe sie am 17. November 2025 ohne grundsätzliche Bedenken unter Auflagen freigegeben.

Hier stehen die Bäume noch direkt am Ufer der Havel. Weitere Fällungen sind laut Senatsverwaltung nicht geplant. Bild: © Baumretter Konradshöhe

Weiteren Fällungen sind nicht geplant

Die Ufersanierung ist bereits erfolgt. Auf etwa 50 Metern Länge wurde die durch Bewuchs komplett zerstörte Uferbefestigung aus Pflaster oder Steinsetzung ersetzt. Die hat jetzt ein Deckwerk aus Steinschüttung erhalten. Diese Arbeiten sollten bis Mitte September abgeschlossen sein. In den darauffolgenden Wochen folgen noch punktuelle Ausbesserungen des Deckwerks auf einer Gesamtlänge von höchstens 300 Metern. Weitere Baumfällungen sind nach Aussage der Senatsverwaltung nicht geplant. 

DZ

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