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Buchempfehlung: Hoch auf dem Erntewagen

Siebenriemer, Bohnenfitztage und Ferien auf dem Bauernhof

Authentischen Erinnerungen aus vergangener Zeit, machen diese Sammlung von Dorfgeschichten aus ganz Deutschland so spannend. Eltern, Großeltern und Urgroßeltern erinnern sich an die Zeit von 1918 bis 1968 und bringen knapp ein Jahrhundert Geschichte in greifbare Nähe.
Ein Baron im Dorfgasthof? Ein totes Schwein in Hut und Mantel auf dem Kutschbock? Ein wilder Bulle beim Sturm auf das Herzhäuschen im Hof? Das alles ist tatsächlich passiert, und wie es dazu kam, können Sie im Buch „Hoch auf dem Erntewagen“ nachlesen.

Das Leben auf dem Land ist von harter Arbeit auf Feld und Hof geprägt. Im Buch werden aber auch Feste vorbereitet und gefeiert, Tiere werden geschlachtet und gerettet, es wird Schnaps gebrannt und auf dem Gesindemarkt für ein Handgeld die Magd Anna übernommen.
Im dörflichen, oft mühsamen Alltag geht es aber auch gesellig zu. Da kann man beim Skat schon mal einen Lotterieschein und damit eine neue Scheune gewinnen oder im Dorfkrug dank des neuen „Wunders“, dem Fernsehen, Peter Frankenfeld ansehen. Der technische Fortschritt hält mit neuen Erntemaschinen auf dem Land Einzug, aber ebenso staunt man über älteres Wissen, wie das um die selbstheilenden Kräfte des Eigenurins, die in einer Geschichte ein Leben retten.
Hans-Peter verbringt zwischen 1939 und 1944 alljährlich seine Ferien im pommerschen Paradies und hat noch heute den Geruch in der Nase, der über den morastigen Ufern des mit Teichrosen bewachsenen Gewässers hing.
Die Brüder Hans und Manfred sind Stadtkinder aus Essen und lernen die neue dörfliche Welt 1943 bei ihrer Kinderlandverschickung kennen.
Babette, deren Vater bayerische Tradition nach Thüringen brachte, bekommt beim beliebten Trachtenfest einen riesigen Schrecken als der olle Klütting in seiner Verkleidung als Gevatter Tod erscheint; den bekommt auch der fünfjährige Klaus, als seine Mutter ihm den Angstmacher der Familie, den berüchtigten Siebenriemer, zeigt und versteckt sich fluchtartig vor seinem Vater, der auf Fronturlaub nach Hause kommt. Der Vertreter Uwe Enge muß in Schleswig-Holstein ein paar Schnäpse mehr auf die neuen Ferkel trinken. Ein Ablehnen des Hochprozentigen ist nicht möglich, denn so ist nun mal die Tradition beim „Farkengriepen“.
In der Erntezeit gibt es nur wenige Verschnaufpausen, wenn aber die „Bohnenfitztage“ anbrechen, ist die Schwerstarbeit des Sommers überstanden. Bernadette Schnüttgen erklärt, was es damit in den 30er Jahren in Ihrer Heimat auf sich hatte.
Die Erinnerungen sind interessant für diejenigen, die diese Zeit miterlebt haben, und ihre Kinder und Enkel, die mehr erfahren wollen, als in den üblichen Geschichtsbüchern zu lesen ist.
So ist auch dieser Band ein Stück bewahrter Alltagshistorie, die anschaulich und unterhaltsam das Leben der Landbevölkerung von 1918 bis 1968 einzigartig beschreibt.

Hoch auf dem Erntewagen
Unvergessene Dorfgeschichten, Band 5
1918-1968, Originalausgabe.
256 Seiten mit vielen Abbildungen, Ortsregister.
Zeitgut Verlag, Berlin. Klappenbroschur
ISBN 978-3-86614-251-0, Euro 11,90

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